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Wareneingang & Warenausgang in SAP EWM: Lager-Prozesse für Anwender

28. April 2026·sapprep.de

Wenn du dich auf die SAP EWM Anwenderzertifizierung (UC_EWM_S42023) vorbereitest, kommst du an einem Themenblock garantiert nicht vorbei: den Wareneingangs- und Warenausgangsprozessen. Im offiziellen Leitfaden sind diese Prozesse mit der höchsten Gewichtung (++) markiert — und das aus gutem Grund.

Genau hier passiert das, wofür ein Lager existiert: Waren kommen rein, werden eingelagert, später kommissioniert, verpackt und verlassen das Lager wieder. Wer diese beiden Prozesse aus Anwendersicht versteht, hat einen riesigen Vorsprung in der Prüfung.

In diesem Beitrag gehen wir beide Prozesse Schritt für Schritt durch — mit den Begriffen, die im SAP-Schulungsbuch EWM100 tatsächlich verwendet werden. Reine Anwender-Sicht, kein Customizing.

Übersicht: Wareneingang vs. Warenausgang im EWM

Beide Prozesse haben in SAP EWM eine sehr ähnliche Grundlogik. Es gibt einen auslösenden Beleg aus dem ERP-System (Bestellung oder Kundenauftrag), darauf folgt ein Lagerbeleg in EWM (Anlieferung oder Auslieferungsauftrag), und dieser steuert die physische Bewegung im Lager über Lageraufgaben und Lageraufträge.

Das Schulungsbuch fasst beide Prozesse im Kapitel 2 „Basisprozesse in SAP EWM ausführen“ zusammen — ein klares Signal, dass du sie immer als Paar denken solltest.

Der grundlegende Unterschied:

  • Wareneingang: Bewegung in das Lager hinein. Quelle ist der Wareneingangsbereich, Ziel ist ein Nachlagerplatz im Lager.
  • Warenausgang: Bewegung aus dem Lager heraus. Quelle ist der Lagerplatz, Ziel ist der Warenausgangsbereich (Bereitstellungszone).

Beide Prozesse arbeiten mit denselben EWM-Werkzeugen: Lageranforderung, Lageraufgabe, Lagerauftrag, Quittierung. Wer die Begriffe einmal verstanden hat, deckt damit beide Richtungen ab.

Wareneingangsprozess: Bestellung → Anlieferung → Putaway

Der Wareneingangsprozess beginnt nicht in EWM, sondern im ERP-System mit einer Bestellung. Sobald der Lieferant ankündigt, dass er liefert (z.B. per Lieferavis über EDI), wird daraus eine Anlieferung (Inbound Delivery) im ERP angelegt.

Diese ERP-Anlieferung wird in SAP EWM als Anlieferungsbenachrichtigung kopiert und anschließend in eine Anlieferung in EWM umgewandelt. Der Anlieferbeleg in EWM wird auch Lageranforderung genannt — er ist die Grundlage für alle Folgeaktionen im Lager.

Im Schulungsbuch ist der Ablauf klar dargestellt:

  1. Bestellung im ERP-System
  2. Anlieferung im ERP-System (manuell oder automatisch über Lieferavis)
  3. Anlieferungsbenachrichtigung in EWM (kann im eingebetteten EWM ab SAP EWM 9.5 auch übersprungen werden)
  4. Anlieferung in EWM — der eigentliche Ausführungsbeleg im Lager

Wichtig: Wenn am Anlieferbeleg in EWM Änderungen vorgenommen werden, werden diese zurück an ERP gesendet. Der Anlieferbeleg mit dem Status Ausführung abgeschlossen bildet die Basis für die Lieferempfangsbestätigung in ERP.

Wareneingangsbuchung mit zwei Lagerorten: RD00 und AF00

Eine Besonderheit, die im EWM100-Buch ausdrücklich beschrieben wird: SAP EWM kann den Wareneingang über zwei Lagerorte abbilden.

  • RD00 (Wareneingang am Tor): Solange sich der Bestand im Einlagerungsprozess befindet, gehört er zu diesem Lagerort.
  • AF00 (verfügbar für Verkauf): Sobald die Ware am endgültigen Nachlagerplatz angekommen ist, wird sie auf diesen Lagerort umgebucht.

So sieht die ERP-Bestandsführung den Bestand zwar an, macht aber gleichzeitig sichtbar, dass er aus Lagersicht noch nicht voll verfügbar ist. Genau dieses Standardszenario nennt das Buch RD0/AF0.

Putaway-Strategien — Wo soll die Ware hin?

Sobald die Anlieferung in EWM steht, muss das System entscheiden, auf welchen Lagerplatz die Ware kommt. Genau das ist der Putaway-Prozess (auf Deutsch: Einlagerung).

Im EWM100-Buch wird das so beschrieben: Die Anlieferung erzeugt eine Lageraufgabe für die Einlagerung. Diese Lageraufgabe enthält das Ziel: Lagertyp, Lagerbereich und Lagerplatz.

Die Hauptlogik dahinter sind die sogenannten Lagerprozessarten (LPA). Die Lagerprozessart wird beim Anlegen der Lageranforderung zugeordnet und steuert die Verarbeitung der Lageraufgabe in SAP EWM. Welche LPA gezogen wird, hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab:

  • Eigenschaften des Produkts (z.B. Charge, Serialnummer, gefährlich)
  • Art der Verpackung (verpackt vs. unverpackt — das Customizing des Nachlagertyps legt fest, was zulässig ist)
  • Aktivitätsbereich im Lager

Für die Prüfung musst du nicht jede Strategie im Detail kennen. Es reicht, das Prinzip zu verstehen: Die Lagerprozessart bestimmt das Verhalten der Lageraufgabe. Wenn du das im Schlaf erklären kannst, hast du schon viele Punkte sicher.

Warenausgangsprozess: Auslieferung → Picking → Packing → Versand

Der Warenausgangsprozess startet typischerweise mit einem Kundenauftrag im ERP-System (oder mit einer Umlagerungsbestellung — auch das wird im Buch ausdrücklich erwähnt). Aus dem Kundenauftrag wird eine Auslieferung in ERP erzeugt.

Sobald die Auslieferung für ein EWM-geführtes Lager relevant ist, wird sie nach EWM weitergeleitet:

  1. Verkaufsauftrag im ERP
  2. Auslieferung im ERP
  3. Auslieferungsanforderung in EWM (Zwischenbeleg)
  4. Auslieferungsauftrag in EWM — entspricht der Lageranforderung für den Warenausgang
  5. Auslieferung in EWM (am Ende des Prozesses, nach der Warenausgangsbuchung)

Wichtig: Beim Anlegen und Sichern des Auslieferungsauftrags läuft im Hintergrund eine ganze Menge ab — unter anderem die Ermittlung der Lagerprozessart, die grobe Platzermittlung (Vonlagerplatz), die Ermittlung von Tor und Bereitstellungszone sowie ggf. eine Wellenzuordnung.

Picking (Kommissionierung)

Das Picking ist die eigentliche Kommissionierung: Bestand vom Lagerplatz holen und in den Warenausgangsbereich bringen. Auch hier läuft alles über eine Lageraufgabe für die Kommissionierung, die aus dem Auslieferungsauftrag entsteht.

Diese Lageraufgabe enthält die Quelle (Lagertyp, Lagerplatz) und das Ziel (Warenausgangszone). Der Lagermitarbeiter erhält damit ein klares Arbeitspaket: „Hole Produkt X in Menge Y vom Lagerplatz Z und bringe es in die Bereitstellungszone.“

Packing (Verpacken)

Das Packing kann auf verschiedenen Stufen erfolgen. SAP EWM kann mit Packspezifikationen arbeiten, die festlegen, wie ein Produkt verpackt wird (z.B. 100 Stück auf eine Palette PKE-090 — genau dieses Beispiel taucht im Buch auf).

Beim Anlegen einer Anlieferung mit zugehöriger Handling Unit (HU) prüft das System übrigens auch, ob diese im Lager zulässig ist. Im Warenausgang werden Kommissionier-HUs analog über die Lagerauftragserstellungsregeln gebildet.

Merke für die Prüfung: Packspezifikationen können sowohl zur Palettierung als auch für Kommissionier-HUs verwendet werden — aber nicht zur Entladung. Das ist eine klassische Multiple-Select-Frage.

Warenausgang buchen

Sobald die Materialien kommissioniert wurden und sich im Warenausgangsbereich befinden, kann die Warenausgangsbuchung erfolgen. Auch hier passiert die ERP-Buchung im Hintergrund: Die SAP-EWM-Auslieferung sendet die Informationen über die Warenausgangsbuchung zurück an ERP, dort werden Bestandsführungs- und Finanzbeleg angelegt.

Bei Teillieferungen (z.B. wegen niedriger Lagerbestände) wird ein Lieferungssplit verwendet — ein Detail, das das Buch ausdrücklich erwähnt.

Lageraufgaben und Lageraufträge — Was ist der Unterschied?

Diese beiden Begriffe sind der Klassiker schlechthin, an dem Prüflinge stolpern. Der Unterschied ist aber simpel, wenn man ihn einmal verstanden hat:

Lageraufgabe (Warehouse Task)

Die Lageraufgabe ist der einzelne Bewegungs-Befehl. Sie ist ein Beleg, der den Lagerarbeiter über die durchzuführende Aufgabe informiert. Beispiel aus dem Buch: „Bewege x Paletten von Produkt y zu Lagerplatz abc.“

Lageraufgaben werden benötigt für:

  • Kommissionierung
  • Einlagerung
  • Interne Bewegungen
  • Umbuchungen
  • Wareneingangsbuchungen
  • Warenausgangsbuchungen

Wenn die Lageraufgabe ausgeführt ist, muss sie quittiert werden. Mit der Quittierung bestätigt der Lagerarbeiter: richtiges Produkt, korrekte Menge, richtiger Nachlagerplatz.

Lagerauftrag (Warehouse Order)

Der Lagerauftrag ist die nächst höhere Ebene: ein Arbeitspaket, das ein Lagermitarbeiter innerhalb eines bestimmten Zeitraums bearbeiten muss. Er enthält eine oder mehrere Lageraufgaben oder Inventurpositionen.

Zur Veranschaulichung: Mehrere Einzel-Lageraufgaben werden zu einem oder mehreren Lageraufträgen zusammengefasst. Die Logik dahinter sind die Lagerauftragserstellungsregeln (LAER) — sie werden im Customizing definiert, sind also nichts, was du als Anwender selbst pflegst.

Merksatz für die Prüfung: Lageraufgabe = was tun. Lagerauftrag = welches Arbeitspaket.

Lagerstruktur: Lagernummer, Lagertyp, Lagerplatz

Damit Wareneingang und Warenausgang überhaupt funktionieren, brauchst du das Vokabular der Lagerstruktur. Das EWM100-Buch baut hier eine klare Hierarchie auf:

  • Lagernummer: die oberste Ebene der Organisationseinheit in der Lagerverwaltung. In der Praxis üblicherweise ein Gebäude oder ein Distributionszentrum. In SAP EWM ist die Lagernummer vier Zeichen lang (im ERP-System dagegen drei Zeichen).
  • Lagertyp: eine physische oder logische Unterteilung des Lagerkomplexes — z.B. Hochregal, Bereitstellungszone Eingang, Bereitstellungszone Ausgang, Yard, Verpackungsbereich. Lagertypen haben eine Lagertyprolle, die festlegt, wofür sie verwendet werden (regulärer Lagertyp, Identifikationspunkt, Kommissionierpunkt usw.).
  • Lagerbereich: Untergliederung innerhalb eines Lagertyps (z.B. „Schnell“ vs. „Langsam“ im Hochregal).
  • Lagerplatz: die kleinste räumliche Einheit eines Lagers. Hier liegt am Ende der konkrete Bestand.

Ein wichtiger Begriff, den du dir noch merken solltest: Bestand in einem Lagerplatz wird Quant genannt. Wer das im Schlaf weiß, sammelt sicher Punkte.

Häufige Verständnisfallen in der Prüfung

Aus Sicht der Prüfungsvorbereitung sehe ich immer wieder dieselben Stolpersteine. Hier die Top-Liste — alle direkt aus dem EWM100-Buch ableitbar:

1. Lageraufgabe und Lagerauftrag verwechseln

Die Lageraufgabe ist der einzelne Bewegungsbefehl. Der Lagerauftrag ist das größere Arbeitspaket, das mehrere Aufgaben bündelt. Wer das durcheinanderbringt, verliert sicher Punkte.

2. Anlieferungsbenachrichtigung vs. Anlieferung

Die Anlieferungsbenachrichtigung ist der Zwischenbeleg in EWM, der aus der ERP-Anlieferung entsteht. Die Anlieferung in EWM ist der eigentliche Ausführungsbeleg, mit dem im Lager gearbeitet wird. Im eingebetteten EWM ab SAP EWM 9.5 kann der Zwischenbeleg sogar übersprungen werden.

3. Quittierung vergessen

Eine ausgeführte Lageraufgabe ist nicht erledigt, bis sie quittiert ist. Erst die Quittierung macht den Vorgang im System abgeschlossen.

4. Stammdaten zwischen ERP und EWM gleichsetzen

Achtung: Die Stammdaten in SAP EWM entsprechen nicht den Stammdaten im ERP-System — das ist explizit eine Lernkontroll-Frage im Buch. Es gibt eine Übertragung, aber die Datenmodelle sind unterschiedlich.

5. Lagernummer-Länge

Im ERP-System ist das Feld für die Lagernummer drei Zeichen lang, in SAP EWM dagegen vier Zeichen. Klingt nach Detail, ist aber ein typischer Multiple-Choice-Fallstrick.

6. Bestellung wird in ERP angelegt — nicht in EWM

Auch eine Lernkontroll-Frage aus dem Buch: Zum Anlegen einer Bestellung verwendest du SAP ERP, nicht SAP EWM. EWM beginnt erst mit der Anlieferungsbenachrichtigung.

Warum diese Prozesse die UC_EWM_S42023 dominieren

Im offiziellen Leitfaden der UC_EWM_S42023 sind die Wareneingangs- und Warenausgangsprozesse zusammen mit fünf weiteren Themengebieten als ++ (höchste Gewichtung) markiert. Das ist kein Zufall — im EWM100-Buch nehmen die beiden Prozesse das komplette Kapitel 2 ein und werden in Kapitel 8 in einem durchgängigen Prozess noch einmal kombiniert geübt.

Wenn du in deiner Vorbereitung Schwerpunkte setzen musst, dann sind Wareneingang und Warenausgang die zwei Schwerpunkte, die du auf keinen Fall auslassen darfst. Sie bringen dir prozentual am meisten Punkte für die investierte Lernzeit — und sie sind die Grundlage, auf der alle anderen Themen (Überwachung, Ressourcenmanagement, Qualitätsprüfung) aufbauen.

Mehr zur Struktur und Themenverteilung der Prüfung findest du in diesem Beitrag: Ablauf der SAP EWM Prüfung (UC_EWM_S42023). Wenn du Begriffe wie Anlieferung, Lageraufgabe oder Lagerprozessart nochmal nachschlagen willst, hilft dir das Glossar. Eine Gesamtübersicht zu den Inhalten findest du auf der Modulseite zu SAP EWM. Und wenn du verstehen willst, woher die Stammdaten in EWM eigentlich kommen, lies parallel Materialstammdaten in S/4HANA.

Fazit: Den Prozess als Geschichte verstehen

Wenn du dir die EWM-Prozesse als logische Geschichte einprägst, sind sie nicht mehr schwer:

Wareneingang: „Eine Bestellung läuft in ERP, der Lieferant kündigt die Lieferung an (Anlieferung), in EWM entsteht eine Anlieferungsbenachrichtigung und daraus die Anlieferung, das System legt eine Lageraufgabe für die Einlagerung an, die zu einem Lagerauftrag gebündelt wird, der Lagerarbeiter führt sie aus und quittiert — Bestand wird von RD00 nach AF00 umgebucht.“

Warenausgang: „Ein Kundenauftrag wird in ERP angelegt, daraus entsteht eine Auslieferung, in EWM kommt der Auslieferungsauftrag, das System legt eine Lageraufgabe für die Kommissionierung an, der Lagerarbeiter holt die Ware vom Lagerplatz und bringt sie in die Bereitstellungszone, dort wird verpackt und der Warenausgang gebucht — ERP bekommt die Information zurück.“

Genau diese Erzählung ist die Grundlage, mit der du in der Prüfung nicht nur Begriffe wiedererkennst, sondern auch Zusammenhänge selbst herleiten kannst. Und das ist der Unterschied zwischen „auswendig gelernt“ und „wirklich verstanden“.

Wareneingangs- und Warenausgangsprozesse sind eines der zentralen Themen der UC_EWM_S42023 (mit ++ Gewichtung im Leitfaden). Auf sapprep.de hast du 120 prüfungsnahe Übungsfragen, alle thematisch passend. Erste 15 Fragen kostenlos: https://app.sapprep.de/demo. Wer zusätzlich verstehen will, wie die typischen Fragetypen aufgebaut sind, findet Beispiele auf der Übersichtsseite zu den SAP-Anwenderzertifizierungs-Fragen.

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