Beschaffungsprozess in SAP S/4HANA: Schritt für Schritt vom Bedarf zur Zahlung
Wenn du dich auf die SAP MM Prüfung (UC_MM_S42023) vorbereitest, kommst du an einem Thema garantiert nicht vorbei: dem Beschaffungsprozess, international auch als Procure-to-Pay oder kurz P2P bekannt.
Das ist kein Zufall. Die Bestellabwicklung ist mit über 20 % Anteil das wichtigste Themengebiet der gesamten MM-Prüfung. Wer hier sicher ist, hat einen riesigen Vorsprung.
In diesem Artikel gehen wir den Prozess Schritt für Schritt durch, aus reiner Anwender-Sicht, mit den wichtigsten Transaktionen und Begriffen, die du wirklich kennen solltest.
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Den kompletten Beschaffungsprozess zeige ich dir auch live im System — Bestellung (ME21N), Wareneingang (MIGO) und Rechnungsprüfung (MIRO) Schritt für Schritt.
Was ist Procure-to-Pay überhaupt?
Procure-to-Pay beschreibt den kompletten Beschaffungsprozess in SAP, vom ersten Bedarf im Unternehmen bis zur finalen Zahlung an den Lieferanten.
Im Modul SAP MM (Materials Management) ist das der Kernprozess. Alles, was du sonst im Einkauf machst, baut auf diesem Ablauf auf.
Im offiziellen SAP-Schulungsbuch S4500 (Geschäftsprozesse in SAP S/4HANA Sourcing and Procurement) wird der Beschaffungszyklus als 8-Phasen-Modell dargestellt:
- Bedarfsermittlung (manuell als BANF oder automatisch über die Disposition)
- Ermittlung der Bezugsquelle
- Lieferantenauswahl (Preise / Konditionen vergleichen)
- Bestellbearbeitung
- Bestellüberwachung (Status der Bestellung verfolgen, ggf. mahnen)
- Wareneingang
- Rechnungsprüfung
- Zahlungsabwicklung (in der Buchhaltung)
In diesem Beitrag gehen wir alle 8 Phasen einzeln durch. Erweiterte Themen wie das Freigabeverfahren oder die explizite Bestellbestätigung sind im Buch in einem eigenen Kapitel als erweiterte Transaktionen behandelt — wir streifen sie an den passenden Stellen, gehen aber nicht in Tiefe.
Klingt viel? Keine Sorge. Wenn du den Ablauf einmal logisch verstanden hast, kannst du in der Prüfung viele Fragen aus dem Bauch heraus richtig beantworten.
Schritt 1: Bedarfsermittlung
Alles startet mit einem Bedarf. Irgendwo im Unternehmen wird etwas benötigt, zum Beispiel Rohstoffe für die Produktion, Verbrauchsmaterial fürs Büro oder eine Dienstleistung.
Diesen Bedarf gibt es in zwei Varianten:
- Manuelle Bedarfsermittlung: Eine Fachabteilung sieht, dass etwas fehlt, und meldet den Bedarf an den Einkauf.
- Automatische Bedarfsermittlung über den MRP-Lauf: SAP prüft regelmäßig die Bestände und meldet automatisch, wenn ein Mindestbestand unterschritten wird oder eine Produktion einen Bedarf auslöst.
Der MRP-Lauf (Material Requirements Planning, auf Deutsch: Bedarfsplanung) ist eines der typischen Prüfungsthemen. Merk dir: Der MRP-Lauf erzeugt automatisch Bestellanforderungen, wenn ein Bedarf erkannt wird.
Schritt 2: Bestellanforderung (BANF) anlegen
Nach der Bedarfsermittlung wird eine Bestellanforderung (kurz: BANF) angelegt. Die Transaktion dafür heißt ME51N.
Wichtig zu verstehen: Die BANF ist ein rein interner Beleg. Sie geht nicht an den Lieferanten, sondern ist eine Anfrage der Fachabteilung an den Einkauf: „Bitte beschafft uns Folgendes.“
Eine BANF enthält typischerweise:
- was beschafft werden soll (Materialnummer oder Beschreibung)
- wieviel davon
- bis wann
- für welchen Zweck (Kostenstelle, Auftrag, Projekt)
Die BANF kann manuell mit ME51N erfasst werden oder automatisch durch den MRP-Lauf entstehen. In der Prüfung wird oft genau dieser Unterschied gefragt.
Schritt 3: Bezugsquellenfindung
Sobald die BANF da ist, stellt sich die nächste Frage: Bei welchem Lieferanten kaufen wir?
Die Bezugsquellenfindung ist genau dieser Schritt. SAP bietet dafür mehrere Hilfen:
- Infosatz: enthält die Konditionen zwischen einem bestimmten Material und einem bestimmten Lieferanten (zum Beispiel Preis, Lieferzeit)
- Orderbuch: regelt, welche Lieferanten überhaupt zugelassen sind und welcher in welchem Zeitraum bevorzugt wird
- Rahmenverträge (Outline Agreements): langfristige Vereinbarungen mit einem Lieferanten
Bei den Rahmenverträgen unterscheidet SAP zwischen:
- Lieferplan: Mengen werden über die Zeit verteilt abgerufen (typisch in der Serienfertigung)
- Mengenkontrakt: eine Gesamtmenge ist vereinbart, abgerufen wird flexibel
Diese Begriffe musst du auseinanderhalten können. Sie tauchen in der Prüfung gerne auf.
Schritt 4: Lieferantenauswahl & Konditionen vergleichen
Sobald mögliche Bezugsquellen ermittelt sind, geht es um die finale Lieferantenauswahl. Hier vergleicht der Einkauf:
- Preise verschiedener Bezugsquellen oder Anfragen
- Lieferzeiten
- Lieferbedingungen und Zahlungskonditionen
- Qualität und Vergangenheits-Performance des Lieferanten
Optional kann an dieser Stelle ein Freigabeverfahren greifen — gerade bei größeren Beträgen ist das Mehraugenprinzip Pflicht. Das Freigabeverfahren wird im SAP-Schulungsbuch unter erweiterte Transaktionen in der Beschaffung behandelt und ist nicht Teil des Standard-Zyklus.
Schritt 5: Bestellung erstellen (ME21N)
Jetzt kommt der zentrale Schritt: die Bestellung (englisch Purchase Order, kurz PO). Die Transaktion dafür ist ME21N.
Im Gegensatz zur BANF ist die Bestellung ein externer Beleg. Sie geht nach außen an den Lieferanten und ist rechtlich verbindlich.
Die Bestellung enthält unter anderem:
- Lieferant
- Material und Menge
- Preis und Konditionen
- Lieferdatum
- Lieferadresse (zum Beispiel ein bestimmtes Werk oder Lager)
- Rechnungsempfänger
Eine Bestellung kann direkt aus einer BANF erzeugt werden, aus einem Rahmenvertrag heraus oder komplett manuell. In der Prüfung lohnt es sich, diese drei Wege auseinanderhalten zu können.
Schritt 6: Bestellüberwachung
Nach dem Versand der Bestellung läuft die Bestellüberwachung. Der Einkauf verfolgt:
- ob für eine Bestellposition bereits eine Lieferung eingetroffen ist
- ob bereits eine Rechnung erfasst wurde
- ob ausstehende Lieferungen beim Lieferanten gemahnt werden müssen
Idealerweise schickt der Lieferant zwischendurch eine Bestellbestätigung zurück, sodass der Einkauf den vereinbarten Liefertermin im System hinterlegen kann. Bestellbestätigungen sind aber nicht zwingend — ihre Erfassung ist Teil der erweiterten Bestellfunktionen.
Schritt 7: Wareneingang (MIGO)
Sobald die Ware physisch im Lager ankommt, kommt der eigentlich spannende Schritt aus Anwendersicht: der Wareneingang.
Die Ware wird in SAP vereinnahmt. Die zentrale Transaktion dafür heißt MIGO.
Beim Wareneingang zur Bestellung verwendest du die Bewegungsart 101. Diese Bewegungsart ist eines der absoluten Pflichtwissen für die MM-Prüfung. Merk dir:
- Bewegungsart 101 = Wareneingang zur Bestellung
Was passiert beim Buchen?
- Der Bestand des Materials erhöht sich
- Es wird automatisch ein Materialbeleg erzeugt (er dokumentiert die mengenmäßige Bewegung)
- Es wird gleichzeitig ein Buchhaltungsbeleg erzeugt (er dokumentiert die wertmäßige Buchung)
Genau diese Doppelbuchung, einmal Materialbeleg und einmal Buchhaltungsbeleg, ist ein Klassiker in Prüfungsfragen. Wenn du das im Schlaf erklären kannst, hast du schon viele Punkte sicher.
Schritt 7 (Fortsetzung): Rechnungsprüfung (MIRO) und der dreiseitige Abgleich
Irgendwann kommt die Rechnung des Lieferanten. Diese wird in SAP über die Transaktion MIRO erfasst (logistische Rechnungsprüfung).
Das System macht jetzt etwas sehr Wichtiges: den dreiseitigen Abgleich (englisch three-way match).
Dabei werden drei Belege miteinander verglichen:
- Bestellung (was war vereinbart?)
- Wareneingang (was wurde tatsächlich geliefert?)
- Rechnung (was berechnet uns der Lieferant?)
Nur wenn diese drei Dokumente in Menge und Preis übereinstimmen, läuft die Rechnung sauber durch. Bei Abweichungen sperrt SAP die Rechnung automatisch zur Klärung.
Beispiel: Bestellt waren 100 Stück zu 5 Euro. Geliefert wurden auch 100 Stück. Wenn der Lieferant aber jetzt 6 Euro pro Stück berechnet, erkennt SAP die Preisdifferenz und stellt die Rechnung zur Prüfung zurück.
Genau dieser Mechanismus, der dreiseitige Abgleich, ist einer der wichtigsten Kontrollpunkte in der Buchhaltung und ein typisches Prüfungsthema.
Schritt 8: Zahlungsabwicklung in FI
Wenn die Rechnung erfolgreich durch die Prüfung gelaufen ist, ist die Beschaffung aus MM-Sicht eigentlich abgeschlossen. Der letzte Schritt findet im Modul SAP FI (Finance) statt: die tatsächliche Zahlung an den Lieferanten.
In FI wird die offene Verbindlichkeit reguliert, typischerweise über den automatischen Zahllauf oder eine manuelle Zahlung. Damit ist der Procure-to-Pay-Kreis geschlossen.
Für die MM-Prüfung musst du nicht in die Tiefe der FI-Buchungen einsteigen. Es reicht zu wissen:
- Die Zahlung passiert in FI, nicht in MM
- MM und FI sind über die integrierte Buchung verknüpft
- Die Buchhaltungsbelege aus dem Wareneingang und der Rechnungsprüfung sind die Brücke zwischen den beiden Modulen
Wenn dich das Thema Zahlung und Buchhaltung tiefer interessiert, schau auch ins Modul SAP FI.
Praxis-Tipps: Häufige Fehler in der Prüfung
Die meisten Punkte verschenken Prüflinge nicht, weil sie den Prozess nicht kennen, sondern weil sie die Begriffe vermischen. Diese Fehler sehe ich besonders oft:
1. BANF und Bestellung verwechseln
Die BANF ist intern, die Bestellung ist extern. Wenn in einer Frage etwas vom Lieferanten ausgelöst oder an den Lieferanten geschickt wird, geht es um die Bestellung, nicht um die BANF.
2. Bewegungsart 101 nicht parat haben
101 = Wareneingang zur Bestellung. Diese Zahl muss sitzen. Sie ist in vielen Fragen direkt oder indirekt abgefragt.
3. Materialbeleg und Buchhaltungsbeleg trennen
Beim Wareneingang entstehen zwei Belege automatisch: einer für die Menge (Materialbeleg) und einer für den Wert (Buchhaltungsbeleg). Wer das durcheinanderbringt, verliert sicher Punkte.
4. Den dreiseitigen Abgleich richtig benennen
Die drei Belege sind Bestellung, Wareneingang, Rechnung. Nicht „Anfrage, Lieferung, Zahlung“ oder Ähnliches. Genau diese drei Begriffe.
5. Sonderbeschaffungsprozesse vergessen
Neben dem Standard-Beschaffungsprozess gibt es Sonderbeschaffungsprozesse, die im SAP-Schulungsbuch ausdrücklich erwähnt werden:
- Umlagerung mit Umlagerungsbestellung — interne Bestellung zwischen zwei Werken eines Unternehmens (Transitbestand!)
- Lohnbearbeitung — externer Lieferant fertigt mit beigestellten Komponenten
- Lieferantenkonsignation — Lieferant stellt Ware bereit, Eigentum geht erst bei Entnahme über
Welcher Prozess für eine Bestellposition gilt, wird über den Positionstyp gesteuert. Diese Konzepte tauchen gern in der Prüfung als Multiple-Select-Frage auf.
6. Rahmenverträge nicht auseinanderhalten
Lieferplan = Termine und Mengen sind verteilt. Mengenkontrakt = eine Gesamtmenge, flexibel abgerufen. Ein Klassiker für Multiple-Choice-Fragen.
Warum P2P in der UC_MM_S42023-Prüfung dominiert
Die offizielle Themenverteilung der UC_MM_S42023 zeigt klar: Bestellabwicklung steht mit über 20 % an der Spitze. Damit ist sie das mit Abstand wichtigste Einzelthema der Prüfung.
Das macht aus didaktischer Sicht Sinn. P2P ist das, was Anwender im echten SAP-Alltag tagtäglich machen. Wer den Beschaffungsprozess verstanden hat, kann viele Folgefragen aus den Bereichen Stammdaten, Bewegungsdaten, Auswertungen und Integrationen logisch ableiten.
Wenn du also in deiner Vorbereitung Schwerpunkte setzen musst, dann ist der Procure-to-Pay-Prozess der eine Schwerpunkt, den du auf keinen Fall auslassen darfst. Er bringt dir prozentual am meisten Punkte für die investierte Lernzeit.
Mehr zur Struktur und Themenverteilung der Prüfung findest du in diesem Beitrag: Ablauf der SAP MM Prüfung (UC_MM_S42023). Wenn du Begriffe wie BANF, Bestellung, Wareneingang oder Bewegungsart noch einmal nachschlagen willst, hilft dir das Glossar. Eine Übersicht über alle Inhalte des Moduls findest du auf der Seite zum Modul SAP MM.
Fazit: Den Prozess als Geschichte verstehen
Wenn du dir den Procure-to-Pay-Prozess als logische Geschichte einprägst, ist er nicht mehr schwer:
„Jemand braucht etwas (Bedarf), meldet das intern (BANF), der Einkauf sucht einen Lieferanten (Bezugsquellenfindung), holt sich, falls nötig, eine Freigabe (Freigabestrategie), schickt eine Bestellung raus (ME21N), bekommt die Ware (MIGO mit 101), bekommt die Rechnung (MIRO), gleicht alles ab (dreiseitiger Abgleich) und überweist (FI).“
Genau diese Erzählung ist die Grundlage, mit der du in der Prüfung nicht nur Begriffe wiedererkennst, sondern auch Zusammenhänge selbst herleiten kannst. Und das ist der Unterschied zwischen „auswendig gelernt“ und „wirklich verstanden“.
Bestellabwicklung ist mit über 20 % Anteil das wichtigste Themengebiet in der UC_MM_S42023-Prüfung. Auf sapprep.de übst du mit 278 prüfungsnahen Fragen genau diese Prozesse, von der BANF bis zum dreiseitigen Abgleich. Die ersten 15 Fragen sind kostenlos: Starte direkt mit der Demo auf app.sapprep.de/demo und finde heraus, wo du beim Procure-to-Pay-Prozess schon sicher bist und wo du noch nachschärfen solltest. Wer die häufigsten Fragetypen kennen will, findet zusätzlich Beispiele auf der Übersichtsseite zu den SAP-Anwenderzertifizierungs-Fragen.
Offizielle Quelle
Die Inhalte dieses Artikels beziehen sich auf die offizielle SAP-Zertifizierung (UC_MM_S42023). Den verbindlichen, aktuellen Stand – Prüfungsaufbau, Themen und Voraussetzungen – findest du direkt bei SAP:
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