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Lagerstrukturen in SAP EWM: Lagernummer, Lagertyp, Lagerplatz erklärt (UC_EWM)

27. Juli 2026·sapprep.de

Wenn du dich auf die SAP Extended Warehouse Management Anwenderzertifizierung (UC_EWM_S42023) vorbereitest, taucht ein Themenblock auf, an dem viele Quereinsteiger zunächst hängen bleiben: die Lagerstruktur in SAP EWM. Lagernummer, Lagertyp, Lagerbereich, Lagerplatz — das klingt nach vielen Begriffen, ist aber in Wahrheit eine klare Hierarchie, die du in 15 Minuten verstanden hast.

In diesem Artikel arbeiten wir die Lagerstruktur Schritt für Schritt durch — direkt aus dem offiziellen SAP-Schulungsbuch EWM100 (Prozesse in SAP Extended Warehouse Management, Col26), das im Zertifizierungsleitfaden als Hauptquelle referenziert ist.

Was du laut Zertifizierungsleitfaden wissen musst

Aus dem offiziellen Leitfaden UC_EWM_S42023 (Version 12/2024 V24.01):

  • Buchungscode: UC_EWM_S42023
  • Softwarekomponente: SAP S/4HANA 2023
  • Quellen-Bücher: S48800_26 und EWM100_26
  • 60 Fragen, 90 Minuten (Fachmodul, deshalb 30 Min mehr als Foundation Level)
  • Bestehensgrenze: 55 % | mit Auszeichnung: 75 %
  • 5 Jahre gültig
  • Hilfsmittel: keine zugelassen
  • Durchführung: Onlineprüfung bei einem SAP-Partner

Lagerstruktur-relevante Themengebiete in der Prüfung:

  • Lagerstruktur und grundlegende Prozesse in SAP EWM — 11-20 % der Fragen (++)
  • Strukturelemente und Stammdaten — 1-10 % der Fragen (+)
  • Lagerorganisation und Optimierung — 11-20 % (++)
  • Wareneingangs- und Warenausgangsprozesse — 11-20 % (++)
  • Überwachung und zusätzliche Funktionen — 11-20 % (++)
  • Ressourcenmanagement und Lagererweiterungen — 11-20 % (++)
  • Allgemeine Themen zu Supply Chain Execution — 11-20 % (++)
  • Lagerausführung mit SAP EWM — 1-10 % (+)

Wenn du die Lagerstruktur sicher beherrschst, hast du also bereits einen der größten Themenblöcke der Prüfung im Griff — plus du verstehst die Begriffe, die in allen anderen Themen wieder auftauchen.

SAP EWM vs. SAP WM — der Unterschied vorweg

Wer aus älteren SAP-Versionen kommt, kennt vielleicht noch SAP WM (Warehouse Management). Aus dem EWM100-Buch:

„SAP EWM unterscheidet sich grundlegend von SAP WM. Eine Gemeinsamkeit ist aber die Verwendung einer Lagernummer zur Darstellung des physischen Lagers, in dem Materialien gelagert und verwaltet werden."

Konkreter Unterschied auf Customizing-Ebene: Im SAP-ERP-System ist das Feld für die Lagernummer drei Zeichen lang, in SAP EWM dagegen vier Zeichen. Dies ist nicht nur eine technische Feinheit — es ist ein praktisches Prüfungsdetail, das in der Zertifizierung gerne abgefragt wird.

Wenn ein Lager als SAP-EWM-Lager verwendet wird, muss in ERP keine Unterstruktur für dieses Lager konfiguriert werden. Stattdessen wird die ERP-Lagernummer als SAP-EWM-relevant markiert und mit einer EWM-Lagernummer verbunden.

Die Hierarchie auf einen Blick: ERP → EWM

Bevor wir in die EWM-internen Strukturen einsteigen, schauen wir den Übergang vom ERP-System ins EWM-System an. Aus dem Buch (Abbildung 11):

  • Werk (im ERP) — z.B. Werk SPCW
  • Lagerort (im ERP) — z.B. RD00 (Wareneingang am Tor) oder AF00 (verfügbar für Verkauf)
  • Lagernummer (im ERP, 3 Zeichen) — z.B. E00 — diese verbindet ins EWM
  • Lagernummer (in EWM, 4 Zeichen) — z.B. E100

Aus dem Buch: „Ein Werk ist ein Ort, an dem Waren produziert (Fertigungswerk) oder gelagert (Distributionszentrum) und Dienstleistungen erbracht werden. Ein Werk wird einem Buchungskreis zugewiesen, einer Organisationseinheit im Finanzwesen. Lagerorte werden einem Werk zugeordnet und behalten den Bestand im Blick auf die Bestandsführung."

Ein Lagerort selbst enthält keine physischen Unterstrukturen. Diese werden über eine Lagernummer definiert. Eine Lagernummer kann sich auf ein einzelnes Gebäude oder mehrere separate Lagergebäude beziehen, die einen Gesamtlagerkomplex bilden.

Schicht 1 — Lagernummer: die oberste Ebene

Aus dem EWM100-Buch (Lektion „Lagerstrukturen beschreiben"):

„Die Lagernummer ist die oberste Ebene der Organisationseinheit in der Lagerverwaltung. Die organisatorischen und physischen Attribute eines Lagergebäudes werden im Customizing unter der Lagernummer erfasst."

Beispiele für Eigenschaften, die auf Lagernummer-Ebene festgelegt werden:

  • Gewichtseinheit
  • Volumeneinheit
  • Zeiteinheit

Außerdem werden verschiedene Findungsschemata für Palettierungsdaten und Packspezifikationen auf Lagernummerebene zugeordnet.

In der Praxis ist die Lagernummer üblicherweise ein Gebäude oder ein Distributionszentrum. Befinden sich deine Lagerstätten in verschiedenen Städten oder weiter voneinander entfernt, empfiehlt es sich, jedem Lagerkomplex eine separate Lagernummer zuzuordnen.

Supply-Chain-Unit (SCU)

Hier kommt ein wichtiges Detail, das in der Prüfung gerne untergeht: „Jeder Lagernummer muss eine eindeutige Supply-Chain-Unit (SCU) mit dem betriebswirtschaftlichen Attribut INV - Lager zugeordnet werden."

Eine SCU ist eine physische Einheit oder eine Organisationseinheit, die in einem Logistikprozess mit einer oder mehreren betriebswirtschaftlichen Eigenschaften verwendet wird. Die SCU enthält wichtige Informationen wie Land, Region und Zeitzone — und das System greift für die Anzeige sämtlicher Datums- und Uhrzeitfelder auf die Zeitzone der SCU der Lagernummer zurück.

Schicht 2 — Lagertyp: die physische oder logische Unterteilung

Aus dem Buch:

„Ein Lagertyp ist eine physische oder logische Unterteilung eines Lagerkomplexes. Er ist durch folgende Merkmale gekennzeichnet: Lagertechniken, Platzbedarf, Organisationsform oder Funktion."

Der Lagertyp ist ein vierstelliger Zeichencode, der im Customizing von SAP EWM definiert wird. Lagertypen haben eine Lagertyprolle, die festlegt, wofür sie verwendet werden.

Die Lagertyprollen aus dem Buch

Im EWM100-Buch (Tabelle 1 „Lagertyprolle und Zweck") sind diese Rollen aufgeführt:

  • Regulärer Lagertyp — ein physischer Bereich im Lager, in dem Produkte gelagert werden. SAP hat einige reguläre Lagertypen vorkonfiguriert.
  • Identifikationspunkt — Bereich, in dem Waren während des Einlagerungsprozesses etikettiert, identifiziert und/oder geprüft werden.
  • Kommissionierpunkt — Bereich, in dem Waren während des Auslagerungsprozesses geprüft/etikettiert/abgenommen und/oder verpackt werden.
  • Identifikations- und Kommissionierpunkt — Bereich, in dem beide Funktionen stattfinden.
  • Bereitstellungszonengruppe — eine oder mehrere Bereitstellungszonen im Lager.
  • Arbeitsplatz — physischer Bereich, in dem Prozesse wie Dekonsolidierung, Prüfung, Verpackung oder logistische Zusatzleistungen ablaufen.
  • Tore — bestimmte physische Standorte, z.B. Tore im Westen des Lagers.
  • Yard — ein an das Lager angrenzender Bereich.
  • Fördertechnik (Materialflusssteuerung) — Bereich mit automatisierten Fördertechnikanlagen.
  • Automatisiertes Lager (gesteuert durch Materialflusssystem) — automatisiertes Hochregallager mit Regalbediengerät.
  • Arbeitsplatz in Bereitstellungszonengruppe — Arbeitsplatz innerhalb einer Bereitstellungszone.
  • Produktionsversorgung — Bereich, in dem in der Nähe der Produktionslinie Produkte für die Produktion bereitgestellt werden.

Wesentliche Einstellungen bezüglich Einlagerung, Auslagerung oder Warenbewegungssteuerung werden im Customizing des Lagertyps konfiguriert.

Schicht 3 — Lagerbereich: Gruppierung ähnlicher Lagerplätze

Aus dem Buch: „Ein Lagerbereich ist eine organisatorische Unterteilung eines Lagertyps. Er wird Lagerplätzen zugeordnet, die ähnliche Attribute haben."

Diese Information wird anschließend während des Einlagerungsprozesses verwendet — also wenn das System entscheidet, wo eine eingehende Ware gelagert werden soll. Die Kriterien für die Zusammenfassung von Lagerplätzen können beliebig definiert werden, im Buch genannte Beispiele sind:

  • Teile mit großem Gewicht
  • Sperrige Teile
  • Gefahrstoffe mit bestimmten Eigenschaften
  • Schnelldreher (Artikel mit hoher Umschlagshäufigkeit)
  • Langsamdreher (Artikel mit niedriger Umschlagshäufigkeit)

Darüber hinaus werden Lagerbereiche in Bereitstellungszonengruppen benötigt — also in Lagertypen, die für den Wareneingang und Warenausgang verwendet werden.

Schicht 4 — Lagerplatz: die kleinste Raumeinheit

Aus dem Buch (Lektion „Lagerstrukturen beschreiben"):

„Ein Lagerplatz ist die kleinste Raumeinheit in einem Lager. Er gibt die genaue Position im Lager an, in der Produkte gelagert werden."

Eigenschaften eines Lagerplatzes

Im Buch (Abbildung 13) werden diese Hauptattribute eines Lagerplatzes aufgezeigt:

  • Lagernummer/Lagerplatz
  • Lagertyp/Lagerbereich
  • Platzzugriffstyp/Lagerplatztyp
  • Kapazitäten (Gewicht, Volumen, Kapazität)
  • Strukturelle Koordinaten (Gang, Säule, Ebene)
  • Geografische Koordinaten (X, Y, Z)

Platzkoordinate: 18 Zeichen

Da die Position eines Lagerplatzes meist aus einem Koordinatensystem abgeleitet wird, wird diese Position als „Platzkoordinate" bezeichnet. Eine Platzkoordinate ist 18 Zeichen lang. Beispielsweise entsprechen die Koordinaten 01-02-03 in einem Lagerplatz Gang 1, Säule 2 und Ebene 3.

Wichtig zu merken: Die einem Lagerplatz zugeordnete Platzkoordinate ist im Lager eindeutig. Das ist eine Standard-Prüfungsfrage.

Customizing der Lagerplatzkoordinaten

Das Customizing umfasst laut Buch zwei Schritte:

  1. Definieren der Koordinatenstruktur bzw. der „Kodierung" des Lagerplatzes durch eindeutige Zeichen pro Komponente: Gang, Säule, Ebene, Platzunterteilung, Platztiefe.
  2. Vorlagen erstellen, mit denen Lagerplatz-Stammdaten automatisch generiert werden können.

Für Lagerplatzkoordinaten kannst du jegliche Kombination aus Buchstaben und Zahlen verwenden.

Weitere Eigenschaften eines Lagerplatzes

Jeder Lagerplatz muss einem Lagertyp zugeordnet werden und kann einem Lagerbereich zugewiesen sein. Außerdem kannst du folgende weitere Eigenschaften festlegen:

  • Lagerplatztyp — zur Angabe der relativen Größe und/oder Istmessungen
  • Platzzugriffstyp — zur Steuerung des Zugriffs von Ressourcen auf einen Lagerplatz
  • RF-Verifikationsfeld — zur Verwendung beim RF-Scanning, um sicherzustellen, dass der Zugriff auf den korrekten Lagerplatz erfolgt
  • Geokoordinaten des Lagerplatzes — werden von SAP EWM bei Warenbewegungen verwendet, um die Entfernungen zwischen Lagerplätzen zu berechnen
  • Attribute zur Kapazitätsprüfung (maximales Gewicht, maximales Volumen, Gesamtkapazität)
  • Brandabschnitt — verwendet im Berichtswesen für Gefahrstoffe

Aktivitätsbereich: für die Lagerorganisation

Lageraktivitäten wie Einlagerung, Kommissionierung und Inventur werden in Aktivitätsbereichen durchgeführt. Aus dem Buch:

  • Ein Aktivitätsbereich besteht aus einem oder mehreren zugeordneten Lagerplätzen.
  • Abhängig von der Aktivität können Lagerplätze mehreren Aktivitätsbereichen zugeordnet werden.
  • Für die Sortierung werden Informationen aus dem Lagerplatz wie Gang, Säule oder Ebene als Sortierkriterien verwendet.
  • Aktivitätsbereiche sind nicht obligatorisch — außer für die Inventur.

Aus Trainer-Sicht ist das ein Detail, das in der Prüfung mehrfach abgefragt wird: Aktivitätsbereiche sind in der Inventur Pflicht, in allen anderen Aktivitäten optional.

Beispiel-Lagerstruktur aus dem Buch

In Abbildung 12 zeigt EWM100 eine Beispiel-Lagerstruktur für eine Lagernummer 1010. Hier siehst du das Zusammenspiel der Begriffe in der Praxis:

  • Lagertyp 0010 Hochregal mit Lagerbereichen 0001 (Schnell) und 0002 (Langsam)
  • Lagertyp 9010 Bereitstellungszone (Eingang) mit Bereich 0001 Eingang (GR-Zone)
  • Lagertyp 8010 Dekonsolidierung mit Bereich Deko
  • Lagertyp 0050 Festplätze mit Bereich 0001 gesamt
  • Lagertyp 8020 Verpackung mit Bereichen Eingang Pack-IN und Arbeit
  • Lagertyp 9020 Bereitstellungszone (Ausgang) mit Aus01/Aus02 (GI01/GI02)
  • Lagertyp 9050 Yard mit Bereichen 0001 Prüfung (CHCK) und 0002 Tore (D01-D03)
  • 9015 Eingangstore, 9025 Ausgangstore

So sieht die Lagerstruktur als Anwender konkret aus, wenn du Wareneingang oder Warenausgang im SAP-EWM-System bearbeitest.

Was Anwender konkret im Job tun

Die Lagerstruktur ist nicht etwas, was der einzelne Lagerist tagtäglich anlegt — die wird einmalig (oder bei Erweiterungen) durch IT/Customizing gesetzt. Aber: jeder Anwender bewegt sich täglich in dieser Struktur. Wenn du:

  • einen Wareneingang verbuchst — du wählst die Ziel-Lagernummer und das System ordnet basierend auf Lagertyp/-bereich den richtigen Lagerplatz zu
  • eine Lageraufgabe bearbeitest — sie sagt dir „von Lagerplatz A nach Lagerplatz B"
  • einen RF-Scan machst — du bestätigst die Lagerplatz-Koordinate
  • eine Inventur durchführst — sie ist nach Aktivitätsbereichen organisiert

...dann bewegst du dich genau in der Hierarchie Lagernummer → Lagertyp → Lagerbereich → Lagerplatz, die du jetzt verstanden hast.

Mit Übungsfragen vertiefen

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