Kundenstammdaten in SAP S/4HANA Sales pflegen (UC_SD_S42023)
Wenn du dich auf die SAP Sales Anwenderzertifizierung (UC_SD_S42023) vorbereitest, sind die Kundenstammdaten einer der wichtigsten Themenblöcke. Sie sind die Grundlage jedes Vertriebsprozesses — vom Angebot über den Kundenauftrag bis zur Faktura. Wer das Geschäftspartner-Konzept und die drei Datenebenen versteht, hat eine solide Basis für die meisten anderen SD-Themen.
In diesem Artikel arbeiten wir die Kundenstammdaten Schritt für Schritt durch — direkt aus dem offiziellen SAP-Schulungsbuch S4600 (Geschäftsprozesse in SAP S/4HANA Sales, Col20), das im Kursplan als Hauptquelle für die SD-Anwenderzertifizierung dient.
Was du für die Anwenderzertifizierung wissen musst
Standard-Eckdaten der SAP-Fachmodul-Anwenderzertifizierung (gleich für FI/MM/SD/EWM):
- Buchungscode: UC_SD_S42023
- Softwarekomponente: SAP S/4HANA 2023
- 60 Fragen, 90 Minuten (Fachmodul)
- Bestehensgrenze: 55 % | mit Auszeichnung: 75 %
- Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch
- 5 Jahre gültig
- Hilfsmittel: keine zugelassen
- Durchführung: Onlineprüfung bei einem SAP-Partner
Die Stammdaten — insbesondere die Kundenstammdaten — sind ein zentraler Themenblock der Prüfung, weil sie in fast jedem Vertriebsbeleg als Datenquelle dienen.
Datenquellen für Verkaufsbelege
Aus S4600 (Kapitel 4 Lektion 1 „Geschäftspartner-Stammdaten pflegen"): wenn du einen Verkaufsbeleg (z.B. Kundenauftrag) anlegst, zieht das System Daten aus mehreren Quellen automatisch in den Beleg ein. Diese Datenquellen sind laut Buch:
- Geschäftspartner-Stammdaten (Kunde) — Adresse, Zahlungsbedingungen, Versandkonditionen
- Materialstammdaten — Beschreibung, Gewicht, Volumen, Mengeneinheit
- Kunden-Material-Informationen — kundenspezifische Materialnummern
- Konditionsstammdaten — automatische Preisfindung, Materialpreis, Kundenrabatt
- Nachrichtenstammdaten — Versand von Auftragsbestätigungen via E-Mail, EDI, Fax
- Steuerungstabellen — im Customizing gepflegt, steuern Vorschlag von Daten
Aus dem Buch: „Die meisten der übernommenen Daten dienen als Vorschlagswerte, die Sie bei Bedarf überschreiben können."
Plus: „Ein vorhergehender Verkaufsbeleg kann ebenfalls als Datenquelle für einen anderen Verkaufsbeleg dienen. Beispiel: Ein Angebot kann als Datenquelle für einen Kundenauftrag dienen."
Das Geschäftspartner-Konzept in SAP S/4HANA
Aus S4600 (Lektion 1, Seite 89): „Die Stammdaten von Kunden und Lieferanten werden in SAP S/4HANA über Geschäftspartner-Stammdaten verwaltet. Mit diesem Ansatz ist es möglich, die Stammdaten von Kunden und Lieferanten zentral zu pflegen (in SAP ERP wurden sie getrennt verwaltet)."
Konkret: ein und derselbe Geschäftspartner kann gleichzeitig Kunde, FI-Debitor und Kreditor sein — ohne dass du ihn dreifach anlegen musst. Das Geschäftspartner-Konzept bündelt alle Stammdaten und unterscheidet die einzelnen Geschäftskontexte über das Rollenkonzept.
Geschäftspartnertyp wählen
Beim Anlegen eines Geschäftspartners musst du laut Buch (Abbildung 39) zwingend einen Geschäftspartnertyp auswählen:
- Person — eine natürliche Person
- Organisation — ein Unternehmen, eine Abteilung, ein Verband
- Gruppe — eine Wohngemeinschaft, ein Ehepaar, ein Vorstand
Rollenkonzept — derselbe Partner, mehrere Kontexte
Aus dem Buch: „Die Verbindung zwischen einem Geschäftspartner und anderen Komponenten wird durch ein Rollenkonzept erzielt. Eine Geschäftspartnerrolle entspricht einem Geschäftskontext, in dem ein Geschäftspartner auftreten kann."
Mögliche Rollen sind z.B.:
- Kunde (Rolle ID
FLCU01) — relevant für Verkaufsprozesse - FI-Debitor (Rolle ID
FLCU00) — relevant für Buchhaltung - Lieferant / Kreditor — falls derselbe Partner auch Lieferant ist
Nur wenn beide Rollen (FI Debitor + Kunde) gepflegt sind, kannst du den Geschäftspartner sowohl im Vertrieb als Auftraggeber verwenden als auch in der Buchhaltung als Forderungs-Empfänger.
Geschäftspartner-Stammdaten können laut Buch „mit der Transaktion BP oder mit einer entsprechenden App aus dem SAP Fiori Launchpad gepflegt werden" — die typische SAP-Fiori-App heißt Kundenstammdaten verwalten.
Die drei Datenebenen eines Kundenstammsatzes
Aus S4600 (Abbildung 40 „Aufbau der Kundenstammdaten"): die Geschäftspartnerdaten, die für Debitoren relevant sind, sind in drei Kategorien unterteilt — die du auch genau in dieser Hierarchie pflegst.
Schicht 1 — Allgemeine Daten (Mandantenebene)
Aus dem Buch: „Allgemeine Daten sind für den Vertrieb und die Buchhaltung relevant. Sie gelten für alle Organisationseinheiten innerhalb eines Mandanten."
Hier liegen z.B.:
- Anschrift (Straße, Hausnummer, Postleitzahl, Ort, Land, Region, Sprache)
- Bankverbindungen
- Kommunikationsdaten (Telefon, E-Mail)
- Steuernummern
Schicht 2 — Vertriebsbereichsdaten (Rolle „Kunde")
Aus dem Buch: „Vertriebsbereichsdaten sind für den Vertrieb relevant. Sie gelten für den jeweiligen Vertriebsbereich (Verkaufsorganisation, Vertriebsweg und Sparte)."
Ein Vertriebsbereich besteht aus drei Komponenten:
- Verkaufsorganisation (z.B.
1010für Deutschland) - Vertriebsweg (z.B.
10für Direktverkauf) - Sparte (z.B.
00für „spartenübergreifend")
Wichtige Notiz aus dem Buch: „Wenn Sie einen Kunden in verschiedenen Vertriebsbereichen in den Vertriebsprozessen verwenden möchten, müssen die Kundenstammdaten für die jeweiligen Vertriebsbereiche entsprechend gepflegt werden."
Die vier Registerkarten der Vertriebsbereichsdaten
Aus dem Buch (Seite 91): „Die wichtigsten Kundenstammdaten für Vertriebsprozesse können in den Vertriebsbereichsdaten gepflegt werden. Um die Datenbearbeitung zu erleichtern, sind die entsprechenden Felder auf vier verschiedene Registerkarten aufgeteilt: Die wichtigsten sind:"
- Aufträge — Daten zum Bestellverhalten, Kundenschema, Versandbedingungen
- Versand — Lieferwerk, Lieferpriorität, Komplettlieferung-Kennzeichen
- Fakturierung — Zahlungsbedingungen, Incoterms, Kontierungsgruppe, Steuerklassifikation
- Partnerrollen — Auftraggeber, Warenempfänger, Rechnungsempfänger, Regulierer
Schicht 3 — Buchungskreisdaten (Rolle „FI Debitor")
Aus dem Buch: „Buchungskreisdaten sind für die Buchhaltung relevant. Sie gelten für den jeweiligen Buchungskreis. Die Buchungskreis-Stammdaten enthalten Informationen, die hauptsächlich für die Buchhaltung benötigt werden. Aus diesem Grund werden diese Daten häufig von der Buchhaltung gepflegt."
Wichtigstes Feld in den Buchungskreisdaten:
- Abstimmkonto — z.B.
12100000(Forderungen aus Lieferungen und Leistungen). Über dieses Sachkonto werden Debitorenbuchungen automatisch im Hauptbuch mitgebucht. Mehr dazu in unserem Artikel Debitorenbuchhaltung in SAP S/4HANA.
Konkretes Beispiel — einen neuen Kundenstammsatz anlegen
Aus S4600 Übung 9 „Kundenstammdaten anlegen": ein Neukunde möchte Materialien bestellen. Du legst einen Stammdatensatz an mit folgenden Werten (Auszug):
Grunddaten
- Geschäftspartner:
T-CUS## - Gruppierung: Ext. alphanum. Nummer (a-z; CUST/VEND)
- Name 1: „Motorräder und mehr"
- Rollen:
FLCU00(FI Debitor) +FLCU01(Kunde)
Adresse (allgemeine Daten)
- Straße: Hauptstraße
- Postleitzahl: 20111
- Ort: Hamburg
- Land: DE (Deutschland)
- Region: HH (Hamburg)
- Sprache: DE
Vertriebsbereichsdaten
- Verkaufsorganisation: 1010
- Vertriebsweg: 10
- Sparte: 00
- Währung: EUR
- Versandbedingungen: Standard ##
- Lieferwerk: 1010
- Incoterms: Geliefert benannter Ort, Hamburg
- Zahlungsbedingungen: ZB00 Sofort zahlbar ohne Abzug
- Kontierungsgruppe: Inlandseinnahmen
- Kundenschema: S (Vertrieb Standard)
- Steuertyp (DE): TTX1, Steuerklassifikation 1 (Steuerpflichtig)
Buchungskreisdaten
- Buchungskreis: 1010
- Abstimmkonto: 12100000
Beim Speichern wird in den Vertriebsbereichsdaten automatisch der Geschäftspartner als Auftraggeber, Warenempfänger, Rechnungsempfänger und Regulierer eingetragen — die vier Standard-Partnerrollen für einen Kunden, der diese Funktionen alle selbst übernimmt.
Die vier Standard-Partnerrollen im Vertrieb
Im Beispiel oben wurden vier obligatorische Partnerrollen automatisch befüllt — jeder Kundenstammsatz braucht sie:
- Auftraggeber (AG) — wer den Kundenauftrag erteilt
- Warenempfänger (WE) — wer die Ware physisch empfängt (kann eine andere Adresse sein, z.B. Filiale)
- Rechnungsempfänger (RE) — wer die Rechnung bekommt
- Regulierer (RG) — wer die Rechnung bezahlt (z.B. Konzern-Zentralkasse)
In den meisten Fällen ist das alles dieselbe Partei. Aber bei Konzernkunden können diese Rollen aufgeteilt sein: Auftraggeber ist die Tochtergesellschaft, Warenempfänger ist eine konkrete Filiale, Rechnungsempfänger ist die Konzernverwaltung, Regulierer ist die Konzern-Zentralkasse.
Stammdaten in Sichten organisiert
Aus dem Buch (Seite 89): „Stammdaten sind in Sichten organisiert, die Organisationseinheiten zugeordnet wurden (z.B. Werk, Organisationseinheit usw.). Die segmentierte Struktur von Stammsätzen ermöglicht eine flexible Abbildung eines Vorgangs in verschiedenen Organisationsstrukturen."
Wichtige Konsequenz für die Datenintegrität (laut Buch): „Wenn die entsprechenden Daten (wie Informationen zu Geschäftspartnern oder Materialien) in ein einzelnes Datenbankobjekt integriert werden, entfällt das Problem der Datenredundanz, und die Datenintegrität wird verbessert. Alle Bereiche verwenden dieselben gespeicherten Daten, darunter Vertrieb, Einkauf, Bestandsführung, Disposition, Rechnungsprüfung, Finanzwesen und Personalwesen."
Das ist einer der Hauptvorteile von SAP S/4HANA gegenüber dem alten R/3-System mit getrennten Debitoren-, Kreditoren- und Geschäftspartner-Welten.
Zahlungseingang vom Kunden buchen — der Anschluss an den Workflow
Im Vertriebsprozess folgt nach der Faktura der Zahlungseingang. Aus S4600 (Kapitel 3 „Vertriebsprozesse"): „Die Buchung von Zahlungseingängen erfolgt in der Finanzbuchhaltungsabteilung. Wenn Sie einen Zahlungseingang buchen, werden üblicherweise Daten auf den entsprechenden Sachkonten automatisch fortgeschrieben."
Das System führt laut Buch dabei zwei Aktionen aus:
- Es bucht eine Sollbuchung auf das Zahlungsmittelkonto (z.B. Bank).
- Es erfasst eine Gutschrift auf dem Forderungskonto des Kunden.
Aus Übung 8 (Zahlungseingang buchen): typische Werte sind:
- Buchungsbelegart:
DZ (Debitorenzahlung) - Sachkonto:
11100000(Bank) - Buchungskreis: 1010
- Währung: EUR
Konkrete Beispielrechnung mit Skonto aus dem Buch: bei einer Faktura über 1276 € und einem Skonto von 38,28 € überweist der Kunde 1.237,72 €. Wenn der Zahlungseingang erfolgreich gebucht ist, ändert sich der Status des Buchhaltungsbelegs auf „Vollständig ausgeziffert".
Was Anwender konkret im Job tun
Die Pflege von Kundenstammdaten ist keine alltägliche Aufgabe — sie passiert beim Onboarding eines Neukunden oder bei größeren Datenpflege-Aktionen. Aber JEDER Vertriebsmitarbeiter, der einen Kundenauftrag anlegt, eine Lieferung versendet oder eine Faktura erstellt, profitiert von gut gepflegten Stammdaten:
- Falsche Adresse → Lieferung geht zurück → Kosten
- Falsche Zahlungsbedingung → Rechnung mit zu großzügigem Skonto → Margenverlust
- Falsche Steuerklassifikation → falsche Umsatzsteuerausweisung → Compliance-Risiko
- Fehlende Partnerrollen → Beleg kann nicht angelegt werden, Prozess steht
Wer als SAP-Anwender im Vertrieb arbeitet, sollte deshalb mindestens das Konzept der drei Datenebenen verstehen — auch wenn die Pflege selbst meist von Stammdaten-Sachbearbeitern oder der Buchhaltung gemacht wird.
Mit Übungsfragen vertiefen
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