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SAP HCM Zeitwirtschaft — Arbeitszeitplan und Zeitauswertung verstehen

23. Mai 2026·sapprep.de

SAP HCM Zeitwirtschaft — Arbeitszeitplan und Zeitauswertung verstehen

Die Zeitwirtschaft ist eine der zwei großen Säulen der SAP HCM Zertifizierung (UC_HCM_for_S4) — über 20 Prozent der Prüfungsfragen entfallen laut offiziellem SAP-Leitfaden auf diesen Bereich. Wer hier nicht sicher ist, scheitert oft an scheinbar einfachen Fragen.

In diesem Artikel bekommst du einen klaren Überblick: was Zeitwirtschaft macht, wie der Arbeitszeitplan aufgebaut ist, was der Unterschied zwischen Positiv- und Negativzeitwirtschaft ist und wie der berühmte Zeitauswertungstreiber RPTIME00 die Arbeit für dich erledigt.

Was macht Zeitwirtschaft eigentlich?

Die SAP-Personalzeitwirtschaft verarbeitet alle zeitbezogenen Daten eines Mitarbeiters: wann er da war, wann nicht, ob er Mehrarbeit geleistet hat, wie viel Urlaub er noch hat und welche Lohnzuschläge daraus resultieren.

Konkret werden in der Zeitwirtschaft drei Hauptaufgaben erledigt:

  • Zeiten erfassen: Über Zeiterfassungsterminals, das Arbeitszeitblatt CATS, Employee Self-Service oder manuelle Eingabe durch den Zeitsachbearbeiter.
  • Zeiten auswerten: Vergleich der Istzeiten mit den Sollvorgaben aus dem Arbeitszeitplan. Identifikation von Mehrarbeit, Pausenüberschreitungen, fehlenden Buchungen.
  • Zeiten bewerten: Bildung von Zeitlohnarten (Stundenlohn, Mehrarbeit, Zuschläge), Pflege von Zeitkonten (Gleitzeit, Urlaubsanspruch), Übergabe an die Personalabrechnung.

Die Sollarbeitszeit — Infotyp 0007

Bevor du eine einzige Zeit auswerten kannst, muss SAP wissen, wann der Mitarbeiter überhaupt arbeiten soll. Diese Information steckt im Infotyp 0007 (Sollarbeitszeit). Er hat drei zentrale Felder:

  • Arbeitszeitplanregel: Verweist auf den Arbeitszeitplan des Mitarbeiters. Damit weiß SAP, an welchen Wochentagen und zu welchen Uhrzeiten der Mitarbeiter eingeplant ist.
  • Status Zeitwirtschaft: Steuert, ob und wie ein Mitarbeiter in der Zeitauswertung verarbeitet wird (dazu gleich mehr).
  • Arbeitswoche: Definiert den Wochenbeginn (Montag, Sonntag, etc.).

Aus dem Arbeitszeitplan generiert SAP die durchschnittlichen Arbeitsstunden pro Tag, Woche, Monat und Jahr — diese Werte werden bei der Einstellungsmaßnahme als Vorschlagswerte in den Infotyp 0008 (Basisbezüge) übernommen, damit Sollarbeitszeit und Bezüge konsistent sind.

Status Zeitwirtschaft — der wichtigste Schalter

Das Feld Status Zeitwirtschaft entscheidet darüber, wie ein Mitarbeiter in der Zeitauswertung behandelt wird. Es gibt fünf relevante Werte:

  • 0 — Keine Zeitauswertung: Der Mitarbeiter wird in der Zeitauswertung nicht verarbeitet. Zeitlohnarten werden direkt von der Personalabrechnung gebildet.
  • 1 — Auswertung der Istzeiten: Klassische Positivzeitwirtschaft. Alle erfassten Anwesenheits- und Abwesenheitszeiten werden bewertet.
  • 2 — BDE-Zeitauswertung: Wie 1, aber für Mitarbeiter mit Betriebsdatenerfassung.
  • 7 — Zeitauswertung ohne Abrechnungsintegration: Die Zeitauswertung läuft, um Zeitkonten zu pflegen (z.B. Abwesenheitskontingente), die Zeitlohnarten werden aber direkt von der Personalabrechnung gebildet.
  • 9 — Auswertung der Sollzeiten: Klassische Negativzeitwirtschaft. Nur Abweichungen vom Arbeitszeitplan werden erfasst.

In der Prüfung wird gerne genau dieser Statuswert gefragt — vor allem die Bedeutung von „7" (oft als „Zeitauswertung ohne Abrechnungsintegration" beschrieben).

Der Arbeitszeitplan — wie SAP weiß, wann gearbeitet wird

Der persönliche Arbeitszeitplan eines Mitarbeiters wird automatisch aus zwei Quellen generiert:

  • Periodenarbeitszeitplan: Eine feste Abfolge von Tagesarbeitsplänen (z.B. Mo–Fr Frühschicht, Sa frei, So frei).
  • Feiertagskalender: Listet alle Feiertage pro Jahr und Bundesland — damit der Karfreitag in NRW automatisch als arbeitsfreier Tag erkannt wird.

Auf der untersten Ebene steckt der Tagesarbeitsplan: Er definiert für einen einzelnen Tag die Sollarbeitsstunden, die Sollarbeitszeit (z.B. 8:00–16:30), Pausenregelungen und Toleranzen.

Aus diesen Bausteinen entsteht für jeden Mitarbeiter ein konkreter Wochen-, Monats- und Jahresplan — die Basis für die Zeitauswertung.

Positiv- vs. Negativzeitwirtschaft

SAP unterscheidet zwei grundlegende Erfassungsphilosophien — je nach Unternehmenskultur und Branche kommt die eine oder andere zum Einsatz.

Positivzeitwirtschaft (Status 1 oder 2)

Bei der Positivzeitwirtschaft werden alle Istzeiten erfasst: Kommen, Gehen, Pausen, Dienstgänge, Abwesenheiten. Typisch für Unternehmen mit Zeiterfassungssystemen und Industriebetriebe mit Schichtarbeit.

Vorteil: Vollständige Übersicht, exakte Abrechnung von Zuschlägen, gute Kontrolle über tatsächlich geleistete Stunden.

Nachteil: Hoher Erfassungsaufwand, viele Infotyp-Sätze, mehr Fehlerquellen.

Negativzeitwirtschaft (Status 9)

Bei der Negativzeitwirtschaft werden nur Abweichungen vom Arbeitszeitplan erfasst — also nur Urlaub, Krankheit, Mehrarbeit, Dienstreise und ähnliches. Die regulären Arbeitszeiten gelten automatisch als geleistet, solange keine Abweichung gemeldet wird.

Vorteil: Geringer Aufwand. Typisch für Büro- und Angestelltentätigkeiten in Gleitzeit.

Nachteil: Mehrarbeit lässt sich nicht automatisch erkennen, weil sie nicht erfasst wird.

Anwesenheiten und Abwesenheiten

Zeitdaten werden in zwei zentralen Infotypen erfasst:

  • Infotyp 2001 — Abwesenheiten: Zeiten, in denen der Mitarbeiter eigentlich arbeiten sollte, aber nicht arbeitet. Beispiele: Urlaub, Krankheit, Heiratsfreistellung, unbezahlte Abwesenheit. Über Abwesenheitsarten weiter klassifiziert.
  • Infotyp 2002 — Anwesenheiten: Zeiten, in denen der Mitarbeiter zwar arbeitet, aber nicht „normal im Büro". Beispiele: Dienstreise, Seminar/Kurs, Mehrarbeit (Überstunden), Bereitschaft. Über Anwesenheitsarten klassifiziert.

Eine wichtige Stolperfalle in der Prüfung: Dienstreise und Seminar sind Anwesenheitsarten — der Mitarbeiter arbeitet ja, nur eben nicht am üblichen Arbeitsplatz. Krankheit und Urlaub sind dagegen Abwesenheitsarten.

Die Zeitauswertung — RPTIME00 und Schema TM00

Das Herzstück der Zeitwirtschaft ist der Zeitauswertungstreiber RPTIME00. Er läuft typischerweise nachts und wertet die Zeitdaten aller Mitarbeiter für den Vortag aus. Konkret:

  • Er liest die erfassten Istzeiten aus den Zeitinfotypen (2001, 2002, 2011 Zeitereignisse).
  • Er vergleicht sie mit den Sollvorgaben aus dem Infotyp 0007 (über den Arbeitszeitplan).
  • Er erkennt Mehrarbeit, Pausenverstöße, fehlende Buchungen.
  • Er bildet Zeitlohnarten und Zeitsalden (Gleitzeit, Urlaubsanspruch).
  • Er erzeugt Meldungen für Auffälligkeiten, die der Zeitsachbearbeiter nachbearbeiten muss.

Die Logik dahinter steckt im Personalrechenschema TM00, das in drei Hauptblöcke unterteilt ist:

  1. Initialisierung (BINI – EINI): Läuft einmal pro Auswertung. Setzt Mitarbeitergruppierungen über die Funktion MOD.
  2. Tagesverarbeitung (BDAY – EDAY): Läuft einmal pro Mitarbeiter pro Tag. Hier passieren die eigentlichen Schritte: Zeitdaten bereitstellen → Toleranzen prüfen → Sollarbeitszeiten ermitteln → Mehrarbeit ermitteln → Zeitlohnarten auswählen → Mehrarbeitslohnarten verrechnen → Zeitkonten verwalten.
  3. Endverarbeitung (BEND – EEND): Läuft einmal am Periodenende. Speichert die Ergebnisse.

Innerhalb der Tagesverarbeitung steuern Personalrechenregeln die einzelnen Schritte. Wichtige Regeln, die in der Prüfung gerne genannt werden:

  • TE10: Passt erfasste Abwesenheiten an Anwesenheiten an, wenn sie sich überschneiden.
  • TE20: Fehlerprüfung pro Tag — prüft, ob ein Mitarbeiter an einem Tag anwesend sein muss oder nicht (z.B. Feiertag, Urlaub).
  • TE30: Fehlerprüfung pro Paar — prüft, ob jede Kommen-Buchung eine passende Gehen-Buchung hat.

Erfassungstools

Zeitdaten kommen typischerweise aus einem dieser Wege ins SAP-System:

  • Zeiterfassungsterminal: Klassische Kommen/Gehen-Stempelung mit Chipkarte oder Ausweis. Die Daten werden in den Infotyp 2011 (Zeitereignisse) geladen.
  • Arbeitszeitblatt (CATS — Cross-Application Time Sheet): Web-basierte zentrale Erfassung. Erfasst Zeiten und übergibt sie an HCM, Controlling und Logistik.
  • Direkterfassung in der Zeitwirtschaft: Sachbearbeiter pflegt Zeiten direkt in den Infotypen 2001/2002.
  • Employee Self-Service (ESS): Mitarbeiter erfasst eigene Abwesenheitsanträge im Browser.
  • Arbeitsplatz Personalzeitmanagement (PTMW / Transaktion): Spezielle Oberfläche für Zeitsachbearbeiter mit Mehrpersonensicht, Tagessicht und Mehrtagessicht.

Prüfungsrelevanz

Zeitwirtschaft macht über 20 Prozent der UC_HCM-Prüfung aus. Typische Fragen drehen sich um:

  • Welche Infotypen sind für die Zeitauswertung Pflicht? (0001, 0002, 0007)
  • Welcher Wert im Status Zeitwirtschaft bedeutet „Zeitauswertung ohne Abrechnungsintegration"? (7)
  • Welcher Infotyp speichert Anwesenheiten? (2002)
  • Welche Personalrechenregel prüft, ob ein Mitarbeiter an einem Tag anwesend sein muss? (TE20)
  • Was bedeutet Positivzeitwirtschaft? (Alle Istzeiten werden erfasst, nicht nur Abweichungen)
  • Welche Sichten bietet der Arbeitsplatz Personalzeitmanagement? (Mehrtages-, Mehrpersonen-, Eintages-, Teamsicht)

Fazit

Die SAP HCM Zeitwirtschaft ist komplex, aber strukturiert. Wer die Bausteine — Sollarbeitszeit (IT 0007), Arbeitszeitplan, Status Zeitwirtschaft, Positiv- vs. Negativzeitwirtschaft, RPTIME00 mit TM00 — sicher beherrscht, deckt einen großen Teil der UC_HCM-Prüfung ab.

Für die Vorbereitung empfehlen wir, gezielt mit prüfungsähnlichen Fragen zu trainieren. Im SAP HCM Modul auf sapprep.de findest du 300 simulierte Übungsfragen — davon über 30 zur Zeitwirtschaft, mit detaillierten Erklärungen aus den offiziellen SAP-Schulungsunterlagen (S4HR31, HR305).

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