SAP MM Positionstypen erklärt — Standard, Konsignation, Lohnbearbeitung, Limit und Streckengeschäft
Wer in SAP MM eine Bestellung anlegt, steht früher oder später vor demselben Feld: Positionstyp. Auf den ersten Blick wirkt es harmlos — ein einzelner Buchstabe wie K, L, B oder S. In Wahrheit ist genau dieser Buchstabe die wichtigste Steuerungsgröße der gesamten Bestellposition. Er entscheidet, ob ein Wareneingang gebucht wird, ob es eine Rechnungsprüfung gibt, ob ein Material zwingend erforderlich ist, ob eine Kontierung erforderlich ist und sogar, ob Bestand entsteht.
In diesem Artikel bekommst du die SAP MM Positionstypen vollständig erklärt — mit allen prüfungsrelevanten Steuerungseffekten, einer Übersichtstabelle und einem Block mit echten Beispielfragen im Stil der SAP-Zertifizierungsprüfung UC_MM_S42023.
Was du in den nächsten Minuten lernst:
- Wie der Positionstyp die Beschaffungsprozesse steuert
- Welche Positionstypen es in der Bestellung gibt — und welche Buchstaben dazu gehören
- Warum K, L, B, S, U und D unterschiedliche Prozessenden haben
- Welche Kombinationen aus Positionstyp und Kontierungstyp erlaubt sind
- Welche Fragen genau dazu in der Prüfung typischerweise gestellt werden
Was ist ein Positionstyp in SAP MM?
Der Positionstyp ist ein Steuerungskennzeichen auf Positionsebene eines Einkaufsbelegs (Bestellanforderung, Anfrage, Bestellung, Lieferplan, Kontrakt). Während die Belegart die Klammer um den gesamten Beleg setzt (Normalbestellung, Rahmenvertrag, Umlagerungsbestellung), entscheidet der Positionstyp je Zeile, wie diese Position abgewickelt wird.
Konkret steuert der Positionstyp im Customizing unter anderem:
- Ob ein Wareneingang möglich oder verpflichtend ist (Kennzeichen WE / WE-Pflicht)
- Ob eine Rechnungsprüfung stattfindet (Kennzeichen RE)
- Ob eine Materialnummer erforderlich ist
- Ob eine Kontierung erforderlich, optional oder unbekannt sein darf
- Welche Sonderbestandskennung beim Wareneingang gebucht wird (z. B. K = Konsignation, O = Lohnbeistellung)
- Ob ein Lieferplan, Bestellanforderung oder andere Vorgängerbelege erlaubt sind
Anders gesagt: Der Positionstyp ist die DNA der Bestellposition. Wenn du ihn falsch wählst, sind alle Folgevorgänge — Eingang, Buchhaltung, Bestandsführung — entweder unmöglich oder falsch.
Übersichtstabelle: Alle prüfungsrelevanten Positionstypen
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Positionstypen zusammen, die du für die SAP MM Zertifizierung kennen musst:
| Kennzeichen | Bedeutung | Wareneingang | Rechnungsprüfung | Materialnr. Pflicht | Kontierung |
|---|---|---|---|---|---|
| (leer) | Standard / Normal | ja | ja | nicht zwingend | nur bei Verbrauch |
| K | Konsignation | ja (Sonderbestand K) | nein (Settlement) | ja | nein |
| L | Lohnbearbeitung | ja (für Endprodukt) | ja | ja | optional |
| B | Limit | nein | ja (bis Wertlimit) | nein | ja — U (unbekannt) erlaubt |
| S | Strecke (3rd Party) | möglich | ja | nicht zwingend | ja |
| E | Erweitertes Limit | nein | ja (bis Wertlimit) | nein | ja — U (unbekannt) erlaubt |
| U | Umlagerung | ja | nein (kein Lieferant) | ja | nein |
| D | Dienstleistung | nein (Leistungserfassung) | ja | nein | ja |
Positionstyp „Standard" (leer) — die Normalbestellung
Wird das Feld Positionstyp leergelassen, handelt es sich um eine Standardposition. Das ist die mit Abstand häufigste Bestellposition im Tagesgeschäft. Der Prozess durchläuft den vollständigen P2P-Zyklus: Bestellung → Wareneingang → Rechnungsprüfung → Zahlung.
- Die Materialnummer ist nicht verpflichtend — Standardpositionen lassen sich auch ohne Material anlegen (dann muss aber eine Warengruppe und ein Kurztext gepflegt werden)
- Eine Kontierung ist nur dann erforderlich, wenn das Material nicht ins Lager geht, sondern direkt verbraucht wird (z. B. Kostenstelle, Auftrag)
- Bei einem normalen Lagerwareneingang wird der Bestand auf Lager- und Werksebene erhöht und finanzbuchhalterisch bewertet
Positionstyp K — Konsignation: Bestand vor Eigentum
Der Positionstyp K kennzeichnet eine Konsignationsbestellung. Konsignation bedeutet: Der Lieferant stellt seine Ware in unser Lager — bleibt aber bis zur Entnahme deren Eigentümer. Erst wenn wir die Ware tatsächlich entnehmen (Verbrauch oder Umbuchung in den eigenen Bestand), entsteht die Verbindlichkeit gegenüber dem Lieferanten.
- Beim Wareneingang erfolgt eine Buchung in den Sonderbestand „K" (Lieferantenkonsignation)
- Der Konsignationsbestand wird auf Lagerortebene geführt und ist unbewertet, weil er nicht uns gehört
- Der Bestand wird nach Lieferanten unterschieden — derselbe Lagerort kann mehrere Konsignationsbestände für unterschiedliche Lieferanten halten
- Es entsteht keine klassische Rechnungsprüfung pro Bestellung. Stattdessen erfolgt eine Konsignationsabrechnung (MRKO bzw. die entsprechende Fiori-App) nach Entnahme
- Eine Kontierung in der Bestellung ist nicht erforderlich — der Bestand wird ja zunächst nur logisch verwaltet
Klassische Stolperfalle: Viele verwechseln Konsignation mit Lohnbearbeitung. Merke dir: K = wir bekommen Ware vom Lieferanten und können sie nutzen. L = wir geben Material an den Lieferanten, damit er daraus etwas fertigt.
Positionstyp L — Lohnbearbeitung (Subcontracting)
Beim Positionstyp L bestellen wir bei einem Lieferanten ein fertiges Endprodukt und stellen ihm gleichzeitig die Komponenten bei, die er zur Fertigung benötigt. Das ist der klassische Subcontracting-Prozess.
- Die Bestellposition listet im Kopf das Endmaterial; darunter erscheinen automatisch die Komponenten aus der Stückliste
- Die beigestellten Komponenten lagern beim Lohnbearbeiter — gehören aber weiterhin unserem Werk. Dieser Bestand heißt Lohnbeistellbestand bzw. Sonderbestandskennung „O"
- Der Lohnbeistellbestand wird nicht auf Lagerortebene zum normalen Lagerbestand hinzugerechnet, ist aber Teil des Werksbestands
- Beim Wareneingang des fertigen Endprodukts werden gleichzeitig die verbrauchten Komponenten beim Lohnbearbeiter abgebucht
- Es findet eine ganz normale Rechnungsprüfung statt — der Lieferant berechnet die Veredelungsleistung
Ein typisches Beispiel: Wir bestellen 100 Stück eines lackierten Gehäuses bei einem Lohnbearbeiter. Dazu stellen wir 100 Rohgehäuse und 5 Liter Lack bei. Nach Wareneingang gehen 100 lackierte Gehäuse in unseren Bestand, gleichzeitig werden 100 Rohgehäuse und der Lack aus dem Lohnbeistellbestand abgezogen.
Positionstyp B — Limitbestellung für ungeplante Beschaffungen
Der Positionstyp B wird für Limitbestellungen verwendet. Diese eignen sich besonders für Beschaffungen, bei denen der genaue Umfang zum Bestellzeitpunkt noch nicht feststeht — typischerweise Verbrauchsmaterialien oder Dienstleistungen, die laufend abgerufen werden (z. B. Büromaterial, Wartungsarbeiten, kleinteilige Reparaturen).
- Zur Limitbestellung kann kein Wareneingang gebucht werden — Positionstyp B unterbindet das mengenmäßige WE-Buchen
- Die Bestellung hat einen Gültigkeitszeitraum und ein Wertlimit auf Positionsebene
- Rechnungen können bis zur Höhe des Limits gegen die Bestellung erfasst werden
- Der Kontierungstyp „U" (unbekannt) ist erlaubt — die Kontierung muss zum Bestellzeitpunkt noch nicht bekannt sein, sondern wird erst im Rahmen der Rechnungsprüfung konkretisiert
- Eine Materialnummer ist nicht erforderlich
Positionstyp S — Streckengeschäft (Third-Party / 3PO)
Beim Streckengeschäft liefert der Lieferant direkt an unseren Kunden — die Ware passiert nie unser eigenes Lager. Der Positionstyp S kennzeichnet diese Streckenposition in der Bestellung.
- Der Prozess startet üblicherweise mit einem Kundenauftrag im SD-Modul; daraus entsteht über die Sonderbeschaffungsart eine Bestellanforderung und schließlich die Bestellung mit Positionstyp S
- Es entsteht kein Lagerzugang, weil die Ware das eigene Werk nicht erreicht
- Ein Wareneingang kann optional als statistischer WE gebucht werden — er erhöht keinen Bestand, dient aber als logistischer Beleg
- Die Rechnungsprüfung erfolgt ganz normal — der Lieferant fakturiert uns, wir fakturieren den Kunden
- Eine Kontierung ist erforderlich, weil kein bestandsmäßiger Zugang stattfindet
Positionstyp U — Umlagerung zwischen Werken
Mit dem Positionstyp U wird eine Umlagerungsbestellung abgewickelt: Beschaffung und Lieferung von Waren innerhalb eines Unternehmens, typischerweise zwischen zwei Werken desselben Buchungskreises oder buchungskreisübergreifend.
- Es gibt keinen externen Lieferanten — das liefernde Werk wird als „Lieferant" in der Bestellung referenziert
- Der Prozess endet nach dem Wareneingang im Empfangswerk; eine klassische Rechnungsprüfung gibt es nicht
- Bei innerbetrieblicher Umlagerung können je nach Customizing zusätzlich Lieferschein und Faktura zum Einsatz kommen (Stock Transport Order mit SD-Anbindung)
- Auf Werksebene verändert die Umlagerung den Bestand zwischen Versand- und Empfangswerk
Positionstyp D — Dienstleistungsbestellung
Der Positionstyp D ist für die Beschaffung von Dienstleistungen reserviert — also Leistungen, die nicht physisch eingelagert werden, sondern erbracht und in der Folge erfasst werden.
- Eine Materialnummer ist nicht zwingend, eine Kontierung jedoch obligatorisch — Dienstleistungen werden konsumiert und müssen auf einem Verbrauchskonto landen
- Statt eines Wareneingangs gibt es eine Leistungserfassung (z. B. über die App „Leistungserfassungsblatt erfassen")
- Im Bestellbeleg kann ein Leistungsverzeichnis mit geplanten Einzelleistungen hinterlegt sein
- Zusätzlich lassen sich Limits für ungeplante Leistungen definieren — Leistungen, die zum Bestellzeitpunkt noch nicht spezifiziert waren
- Die Rechnungsprüfung erfolgt mit Bezug auf die erfassten und freigegebenen Leistungen
Warum SAP MM Positionstypen prüfungsrelevant sind
Im offiziellen Leitfaden zur Zertifizierung UC_MM_S42023 entfällt ein nennenswerter Anteil der Fragen auf das Themenfeld Beschaffungsprozesse, Belegarten und Steuerungskennzeichen. Positionstypen liegen genau im Schnittpunkt dieser Themen — sie tauchen in fast allen Fragen zu Konsignation, Lohnbearbeitung, Limit und Strecke auf.
Typische Fragestellungen prüfen:
- Die Zuordnung Buchstabe ↔ Prozess (z. B. „Bei welchem Positionstyp ist Kontierungstyp U erlaubt?")
- Welche Positionstypen in der Fiori-App „Bestellungen verwalten" angelegt werden können — laut SAP-Schulungsunterlagen sind das Standard, Konsignation (K), Lohnbearbeitung (L), Strecke (S) und Erweitertes Limit (E)
- Welche Positionstypen sowohl in der Bestelltransaktion als auch in der Bestellanforderungstransaktion erlaubt sind (Standard, Konsignation, Lohnbearbeitung — Warengruppe und Material unbekannt sind eingeschränkt)
- Welche Bestandsführungslogik sich aus dem Positionstyp ergibt — Lagerortebene vs. Werksebene, bewertet vs. unbewertet, Sonderbestände nach Lieferant
Beispielfragen im UC_MM-Stil
Frage 1: Welche Positionstypen können Sie beim Anlegen einer neuen Bestellposition in der SAP-Fiori-App „Bestellungen verwalten" verwenden? (3 richtige Antworten)
- A) Standard
- B) Material unbekannt
- C) Konsignation
- D) Warengruppe
- E) Lohnbearbeitung
Lösung: A, C und E. In der Fiori-App „Bestellungen verwalten" stehen Standard, Konsignation (K), Lohnbearbeitung (L), Strecke (S) und Erweitertes Limit (E) zur Verfügung. „Material unbekannt" und „Warengruppe" sind in dieser App nicht auswählbar.
Frage 2: Welche Aussage zu einer Bestellposition mit Positionstyp B trifft zu? (1 richtige Antwort)
- A) Bestellpositionen mit Positionstyp B müssen eine Materialnummer enthalten
- B) Der Kontierungstyp U (unbekannt) ist erlaubt
- C) Bei Positionstyp B sind nur bewertete Wareneingänge möglich
- D) Rechnungen zu Positionstyp B können ausschließlich im ERS-Verfahren erfasst werden
Lösung: B. Bei Positionstyp B (Limit) ist der Kontierungstyp U zulässig — die Kontierung muss zum Bestellzeitpunkt noch nicht bekannt sein.
Frage 3: Sie befinden sich in der Bestandsübersicht. 200 Stück liegen im frei verwendbaren Bestand des Lagerorts, 300 Stück befinden sich im Konsignationsbestand, 400 Stück sind im Lohnbeistellbestand beim Lohnbearbeiter. Was wird Ihnen als Bestandssumme auf Lagerortebene angezeigt? (1 richtige Antwort)
- A) 900 Stück
- B) 500 Stück
- C) 600 Stück
- D) 200 Stück
Lösung: B. Auf Lagerortebene werden 500 Stück angezeigt: 200 Stück frei verwendbarer Bestand plus 300 Stück Konsignationsbestand (wird auf Lagerortebene geführt). Der Lohnbeistellbestand lagert beim Lohnbearbeiter und zählt nicht zum Lagerortbestand.
Frage 4: Welche Positionstypen sind sowohl in der Bestelltransaktion als auch in der Bestellanforderungstransaktion zulässig? (3 richtige Antworten)
- A) Warengruppe
- B) Lohnbearbeitung
- C) Material unbekannt
- D) Standard
- E) Konsignation
Lösung: B, D, E. Lohnbearbeitung (L), Standard (leer) und Konsignation (K) sind sowohl in BANF als auch in der Bestellung zulässig.
Frage 5: Welche Aussagen zur Lohnbearbeitung treffen zu? (2 richtige Antworten)
- A) Eine Umlagerungsbestellung wird zur Beschaffung und Lieferung von Waren innerhalb eines Unternehmens verwendet
- B) Bei der Lohnbearbeitung liefert der Lieferant das bestellte Endprodukt und der Auftraggeber stellt die erforderlichen Komponenten bei
- C) Bei der Lohnbearbeitung wird der Positionstyp B in der Bestellung verwendet
- D) Bei der Lieferantenkonsignation wird der Positionstyp L in der Konsignationsbestellung verwendet
Lösung: A und B. Lohnbearbeitung nutzt L (nicht B), Konsignation nutzt K (nicht L).
Frage 6: Wann entsteht im Rahmen der Konsignationsbeschaffung eine Verbindlichkeit gegenüber dem Lieferanten? (1 richtige Antwort)
- A) Sobald der Lieferant die Ware versendet hat
- B) Nach der Entnahme aus dem Konsignationslager
- C) Nach dem Buchen des Wareneingangs
- D) Nach erfolgreicher Übermittlung der Bestellung
Lösung: B. Die Verbindlichkeit entsteht erst nach der Entnahme aus dem Konsignationslager. Vorher gehört der Bestand noch dem Lieferanten.
Fazit: Den Positionstyp immer aus dem Prozess heraus denken
Die Positionstypen in SAP MM sind keine willkürlichen Buchstaben — sie sind die Kurzformel des dahinterliegenden Beschaffungsprozesses. Wer sich klarmacht, welches Prozessende der jeweilige Positionstyp impliziert, spart sich das stumpfe Auswendiglernen.
Eine gute Eselsbrücke:
- Konsignation = Ware kommt zu uns, gehört uns aber noch nicht
- Lohnbearbeitung = wir liefern Komponenten an den Lieferanten
- Budget-/Limitbestellung = Betrag steht im Vordergrund, nicht die Menge
- Strecke = Ware geht straight to customer
- Umlagerung = innerhalb der eigenen Unternehmensstruktur
- Dienstleistung = wird durchgeführt, nicht eingelagert
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Offizielle Quelle
Die Inhalte dieses Artikels beziehen sich auf die offizielle SAP-Zertifizierung (UC_MM_S42023). Den verbindlichen, aktuellen Stand – Prüfungsaufbau, Themen und Voraussetzungen – findest du direkt bei SAP:
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