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Tipps & Strategien9 Min. Lesezeit

SAP-Prüfung nicht bestanden — was jetzt? Dein Plan für den zweiten Versuch

MBAutor: Mario Bahunek — SAP-zertifizierter Trainer
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Das Ergebnis sagt „nicht bestanden" — und gerade fühlt sich das vermutlich größer an, als es ist. Vielleicht steckst du mitten in einer geförderten Umschulung, hast monatelang gelernt und fragst dich, ob SAP überhaupt das Richtige für dich ist.

Als SAP-Trainer in der geförderten Weiterbildung sage ich dir zuerst das Wichtigste: Eine nicht bestandene Anwenderprüfung ist ein Zwischenstand, kein Urteil. Bei einer Bestehensgrenze von 55 % — also rund 33 von 60 Fragen — liegen zwischen „knapp durchgefallen" und „bestanden" oft nur eine Handvoll Fragen. Wer mit 48 % rausgeht, dem fehlten umgerechnet etwa vier richtige Antworten. Das ist keine Eignungsfrage. Das ist eine Vorbereitungsfrage — und genau die lösen wir jetzt, Schritt für Schritt.

Schritt 1: Durchatmen und das Ergebnis richtig einordnen

Bevor du irgendetwas planst: Die Prüfung misst nicht dein ganzes SAP-Können — sie misst, ob du dein Prozesswissen an diesem einen Tag im Prüfungsformat abrufen konntest. Ich habe Teilnehmer erlebt, die im System hervorragend arbeiteten und trotzdem beim ersten Anlauf scheiterten — und beim zweiten souverän bestanden, sobald die Lücke klar war. Dein Kurswissen ist nicht weg. Es war am Prüfungstag nur nicht in der abrufbaren Form da, in der es gebraucht wurde.

Wichtig auch: Such die Schuld weder pauschal bei dir noch bei deinem Kurs. Die Hands-on-Arbeit am System, die dein Kurs vermittelt, ist und bleibt das Fundament — fürs Bestehen fehlte ein gezielter, kleiner Baustein. Welcher das war, findest du in Schritt 2 heraus.

Die ersten Tage danach: drei Dinge, die du sofort tun kannst

Bevor wir in die Analyse gehen — drei kleine, konkrete Schritte für die ersten Tage, damit aus dem Frust wieder Handlung wird:

  • Heute: Sichere deine Ergebnis-Auswertung (Screenshot oder Ausdruck) und schreibe in drei Sätzen auf, wie die Prüfung sich angefühlt hat: Wo warst du sicher, wo hast du geraten, wo wurde die Zeit knapp? Diese frische Erinnerung ist in einer Woche weg — und sie ist die halbe Diagnose.
  • Morgen: Sprich mit deinem Trainer oder Träger. Nicht als Schuldgespräch, sondern organisatorisch: Wie läuft bei euch die Wiederholung, welche Fristen gelten, gibt es begleitende Unterstützung? Du wirst merken: Du bist nicht der erste Fall — und die Wege sind eingespielt.
  • Diese Woche: Mach eine kleine Standortbestimmung. Ein Übungs-Set von 15–20 Fragen in Ruhe zu Hause zeigt dir schnell, ob das Problem wirklich der Stoff war — oder eher Zeitdruck und Nervosität am Prüfungstag. Viele sind überrascht, wie viel ohne Prüfungsstress plötzlich abrufbar ist.

Schritt 2: Das Ergebnis auswerten — wo genau hat es gefehlt?

Nach der Prüfung siehst du in der Regel nicht nur dein Gesamtergebnis, sondern auch, wie du in den einzelnen Themenbereichen abgeschnitten hast. Diese Auswertung ist Gold wert — nimm sie dir in Ruhe vor:

  • Markiere deine zwei bis drei schwächsten Themenblöcke. Dort liegt dein Hebel — nicht im Wiederholen von allem. (Keine Auswertung zur Hand? Dann rekonstruiere aus dem Gedächtnis, bei welchen Themen du am häufigsten unsicher warst.)
  • Gleiche sie mit der Gewichtung im offiziellen Leitfaden ab. Ein schwacher Block, der stark gewichtet ist, hat Priorität vor einem schwachen Randthema.
  • Erinnere dich an die Prüfungssituation: Bist du an den Inhalten gescheitert — oder an der Zeit, an der Fragestellung, an der Nervosität? Das ist der Unterschied zwischen einer Stoff-Lücke und einer Format-Lücke.

Schritt 3: Die Ursache ehrlich benennen

Aus vielen Gesprächen nach nicht bestandenen Prüfungen kenne ich vor allem diese vier Ursachen — jede mit einer klaren Abhilfe:

Meistens ist es eine Kombination aus zweien. Benenn sie schriftlich — „Mir fehlten Block X und Y, und ich war zu langsam" — denn ein benanntes Problem ist ein lösbares Problem.

Schritt 4: Der gezielte Plan für Versuch 2 (zwei bis drei Wochen)

Du brauchst keinen zweiten Komplett-Durchlauf deines Kurses — du brauchst einen fokussierten Reparatur-Plan:

  • Woche 1 — Lücken schließen: Nimm dir nur deine schwachen Themenblöcke vor. Theorie kurz auffrischen, dann sofort mit Fragen zu genau diesen Themen testen. Die Erklärungen zu jeder Frage sind dabei wichtiger als die Frage selbst — sie zeigen dir das Muster hinter den Distraktoren.
  • Woche 2 — Breite sichern: Gemischte Fragen-Sets über alle Themenblöcke, um sicherzustellen, dass die starken Bereiche stabil bleiben, während die schwachen aufholen.
  • Letzte Tage — Prüfungssimulation: Komplette Durchläufe unter Zeitbedingungen. Ziel: stabil über 70 % über mehrere Durchläufe — das gibt dir Puffer über der 55-%-Grenze und nimmt der Prüfung den Schrecken. Einen ausführlichen Wochenplan findest du im ehrlichen Lernplan.

Ein zusätzlicher Selbsttest, der zuverlässiger ist als jedes Bauchgefühl: Erkläre deine ehemals schwachen Themen einem Kurskollegen in eigenen Worten. Was du flüssig erklären kannst, sitzt — was ins Stocken gerät, gehört zurück auf die Liste für Woche 1. Und halte deinen Plan schriftlich fest, mit festen Lernfenstern im Kalender: Ein Plan, der nur im Kopf existiert, verliert gegen den Alltag.

In meiner Erfahrung gilt: Wer den ersten Versuch knapp verfehlt hat und dann gezielt nacharbeitet — statt panisch alles zu wiederholen — besteht den zweiten Anlauf in aller Regel, viele sogar deutlich.

Was du jetzt NICHT tun solltest

  • Sofort blind neu antreten. Ohne Analyse wiederholst du nicht die Prüfung, sondern das Ergebnis. Erst Lücken benennen, dann Termin.
  • Alles von vorn lernen. Das demoralisiert und verwässert den Fokus. Deine starken Themen brauchen Pflege, keine Renovierung.
  • Auf „Braindumps" ausweichen. Angebliche Original-Prüfungsfragen aus dubiosen Quellen sind nicht nur unseriös — sie trainieren genau das Falsche: Auswendiglernen statt Verstehen. Bei der ersten Umformulierung stehst du wieder da wie beim ersten Versuch.
  • Die Prüfung zum Monster machen. Es bleiben rund 60 Fragen mit einer 55-%-Grenze. Du kennst das Format jetzt — das ist beim zweiten Mal ein echter Vorteil.

Der Kopf entscheidet mit: drei Gedanken für den zweiten Anlauf

  • Du gehst nicht bei null los. Dein gesamtes Kurswissen, deine Systempraxis, deine Lernroutine — alles noch da. Für Versuch 2 schließt du eine benannte Lücke, du wiederholst keine Ausbildung.
  • Du kennst jetzt den Gegner. Den Prüfungsraum, das Klick-Format, das Tempo, die Art der Formulierungen — all das, was beim ersten Mal Energie gekostet hat, ist beim zweiten Mal vertraut. Dieser Vorteil ist real und größer, als er sich gerade anfühlt.
  • Streich das Wort „durchgefallen". Du hast einen Messpunkt bekommen, der dir präzise zeigt, woran du arbeiten musst. Sportler nennen so etwas Standortbestimmung — und genau so darfst du es behandeln.

Das Organisatorische: Wiederholung klären

Die genauen Konditionen für den zweiten Versuch — Wartezeit, Kosten, Anmeldung — hängen von deinem Prüfungs-Setup ab. Den verbindlichen Rahmen findest du in den offiziellen SAP-Zertifizierungsbedingungen (Link am Ende des Artikels).

Gefördert über Bildungsgutschein oder AVGS? Dann ist der Zweitversuch meist unkompliziert

Die wichtigste Sorge vieler Teilnehmer aus geförderten Kursen — „Muss ich die Wiederholung jetzt selbst bezahlen?" — kann ich aus meiner Kurspraxis in den allermeisten Fällen entkräften: In der Regel kannst du dir den Zweitversuch bei der Agentur für Arbeit bzw. dem Jobcenter freigeben lassen. Der Ablauf ist unspektakulär:

  • Melde dich bei deiner Ansprechperson bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter, schildere kurz das Ergebnis und bitte um die Freigabe für den zweiten Prüfungsversuch.
  • Mit dieser Freigabe ist die erneute Anmeldung beim Bildungsträger normalerweise reine Formsache — der Träger organisiert den neuen Prüfungstermin für dich.
  • Tipp: Sprich parallel direkt mit deinem Bildungsträger. Viele Träger kennen den Weg gut und übernehmen die Abstimmung mit der Agentur sogar für dich.

Heißt konkret: Den zweiten Versuch musst du in aller Regel nicht aus eigener Tasche zahlen — verbindlich bestätigt dir das deine Ansprechperson im Einzelfall. Kläre das früh — ein konkreter Termin in zwei, drei Wochen gibt deinem Reparatur-Plan die nötige Verbindlichkeit.

Fazit: Knapp daneben ist fast bestanden

Eine nicht bestandene SAP-Prüfung fühlt sich schwer an, ist aber oft ein kleines, präzise lösbares Problem: zwei schwache Themenblöcke, eine ungewohnte Frageform, ein Zeitproblem. Werte dein Ergebnis aus, benenne die Ursache, arbeite zwei bis drei Wochen gezielt nach — und geh mit stabilen 70 % aus der Simulation in den zweiten Versuch. Übrigens: Einige meiner besten Teilnehmer hatten genau diesen Umweg hinter sich — und gingen beim zweiten Mal ruhiger und vorbereiteter in den Raum als mancher Erstversuch-Kandidat. Dein Wissen aus dem Kurs ist da. Jetzt holen wir es in die Prüfungsform.

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Offizielle Quelle

Die Inhalte dieses Artikels beziehen sich auf die offizielle SAP-Zertifizierung. Den verbindlichen, aktuellen Stand – Prüfungsaufbau, Themen und Wiederholungsregeln – findest du direkt bei SAP:

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