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SAP MM Kontrakte zu Warengruppen — Positionstypen M und W richtig einsetzen

MBAutor: Mario Bahunek — SAP-zertifizierter Trainer
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In SAP MM gibt es eine Situation, die jeden Einkäufer früher oder später trifft: Du willst einen Rahmenvertrag mit einem Lieferanten abschließen, der viele ähnliche Artikel abdeckt — aber du willst nicht für jeden einzelnen Artikel eine eigene Vertragsposition pflegen. Reinigungsmaterial, Kleinteile, Ersatzteile einer ganzen Preisliste: Hunderte Artikel, ein Lieferant, eine Vereinbarung. Genau dafür gibt es im Kontrakt die beiden Positionstypen M (Material unbekannt) und W (Warengruppe).

Beide erfassen eine Kontraktposition ohne Materialnummer — der konkrete Artikel kommt erst beim Abruf. Klingt ähnlich, ist aber prüfungsrelevant unterschiedlich. In diesem Artikel bekommst du M und W vollständig erklärt, mit einem durchgängigen Beispiel und einem Block echter Beispielfragen im Stil der SAP-Zertifizierung UC_MM_S42023.

Was du in den nächsten Minuten lernst:

  • Wo Kontrakte in der Welt der Rahmenverträge stehen — und der Unterschied zwischen Mengenkontrakt und Wertkontrakt
  • Wann du Positionstyp M und wann W verwendest
  • Warum bei M im Abruf trotzdem ein echtes Material mit Stammsatz auftauchen darf
  • Wo Preis, Menge und Materialnummer jeweils eingegeben werden
  • Warum es M und W nur im Kontrakt gibt — und nicht im Lieferplan
  • Welche Fragen genau dazu typischerweise in der Prüfung gestellt werden

Was sind Rahmenverträge — und wo stehen Kontrakte?

Ein Rahmenvertrag ist eine längerfristige Vereinbarung mit einem Lieferanten über die Lieferung von Materialien oder die Erbringung von Dienstleistungen zu festgelegten Konditionen — ohne dass die einzelnen Liefermengen und -termine schon feststehen. SAP unterscheidet zwei Arten von Rahmenverträgen:

  • Kontrakt — eine Vereinbarung über eine Zielmenge oder einen Zielwert, die du über einzelne Abrufe (Abrufbestellungen) während der Laufzeit in Anspruch nimmst.
  • Lieferplan — eine Vereinbarung, bei der die Liefertermine bereits in Form von Einteilungen feststehen.

Der Kontrakt selbst kennt wiederum zwei Kontraktarten:

  • Mengenkontrakt (Kontraktart MK) — gilt als erfüllt, wenn infolge der Abrufe eine vereinbarte Zielmenge pro Kontraktposition erreicht ist. Die Zielmenge wird auf Positionsebene gepflegt; ein Gesamtwert in den Kopfdaten ist optional.
  • Wertkontrakt (Kontraktart WK) — gilt als erfüllt, wenn die Abrufe einen vereinbarten Zielwert (Gesamtwert aller Positionen) erreichen. Der Zielwert steht in den Kopfdaten; materialspezifische Zielmengen sind möglich, aber nicht erforderlich.

Diese Unterscheidung ist die erste Falle in der Prüfung: Der Zielwert wird über alle Positionen des Kontraktes auf Kopfebene fortgeschrieben, die Zielmenge dagegen je einzelner Kontraktposition. Merke: Wert = Kopf, Menge = Position.

Das Problem: ein Vertrag, viele ähnliche Artikel

Stell dir einen Instandhaltungsbetrieb vor. Du verhandelst mit einem Lieferanten einen Vertrag über Verbrauchsmaterial. Würdest du für jeden einzelnen Artikel — jede Putztuch-Sorte, jede Schraube, jedes Dichtungsmaß — eine eigene Vertragsposition mit eigener Materialnummer anlegen, hättest du einen Kontrakt mit Dutzenden Positionen, der ständig gepflegt werden müsste.

Die kontraktspezifischen Positionstypen M und W lösen genau das: Sie erfassen eine Vertragsposition, die viele verschiedene Artikel abdeckt. Die Materialnummer bleibt im Vertrag offen — der konkrete Artikel wird erst beim Abruf festgelegt. Welcher der beiden Typen passt, hängt an einer einzigen Frage: Haben die Artikel denselben Preis — oder unterschiedliche?

Positionstyp M (Material unbekannt) im Detail

Positionstyp M verwendest du für gleichartige Materialien mit gleichem Preis. Du kannst ihn sowohl im Mengen- als auch im Wertkontrakt einsetzen.

Beispiel: Du beschaffst Einweg-Nitrilhandschuhe in den Größen S, M, L und XL. Material, Qualität und Preis sind identisch — nur die Größe unterscheidet sich. Statt vier Positionen legst du eine Position mit Positionstyp M an. Beim Anlegen dieser Kontraktposition gibst du ein:

  • Kurzbeschreibung (z. B. „Einweg-Nitrilhandschuhe")
  • Warengruppe
  • Zielmenge und Bestellmengeneinheit
  • Preis — und genau das ist der Kernpunkt: Der Preis steht schon im Kontrakt.

Was du nicht eingibst, ist die Materialnummer. Die genaue Spezifikation — also welche Größe, welche Variante — gibst du erst im Kontraktabruf an.

Und jetzt die Stelle, die in Schulungen die meisten Aha-Momente auslöst: Bei Positionstyp M darfst du im Abruf trotzdem ein echtes Material mit Stammsatz ziehen — sofern Warengruppe und Bestellmengeneinheit zur Kontraktposition passen. „Material unbekannt" heißt also nur: Im Vertrag steht keine Materialnummer. Im Abruf darfst du wahlweise ein gepflegtes Material oder einen freien Text verwenden. Das ist kein Widerspruch, sondern Absicht.

Positionstyp W (Warengruppe) im Detail

Positionstyp W verwendest du für Materialien derselben Warengruppe mit unterschiedlichen Preisen. Und hier die wichtigste Einschränkung: W ist nur im Wertkontrakt zulässig — niemals im Mengenkontrakt.

Beispiel: Du vereinbarst mit einem Pneumatik-Lieferanten einen Vertrag, der seine gesamte Preisliste abdeckt — Verschraubungen, Ventile, Dichtungen, Wartungseinheiten. Jeder Artikel kostet etwas anderes. Statt jede Position einzeln zu erfassen, legst du eine Position mit Positionstyp W und der passenden Warengruppe (z. B. „Pneumatik-Zubehör") an. Aus dem Kurztext geht hervor, dass die Position sämtliche Artikel dieser Warengruppe beim Lieferanten umfasst.

Bei W bleibt im Vertrag fast alles offen. Du gibst keinen Preis und keine Menge an. Erst im Abruf erfasst du die genauen Angaben:

  • Artikel (Materialnummer oder freier Text)
  • Menge
  • Preis — existiert ein Einkaufsinfosatz, schlägt das System dessen Konditionen vor.

Zwei Regeln musst du dir merken: Erstens muss die abgerufene Position — ob mit oder ohne Materialnummer — derselben Warengruppe zugeordnet sein wie die Kontraktposition. Zweitens brauchen Positionen ohne Materialnummer eine gültige Kontierung, zum Beispiel eine Kostenstelle. Zusätzliche Konditionen sind möglich: Gewährt der Lieferant etwa einen Rabatt auf alle Bestellungen zum Kontrakt, hinterlegst du ihn in den Kopfkonditionen — er wird beim Abruf automatisch eingerechnet.

M oder W? Die Entscheidung in der Praxis

Die folgende Tabelle bringt den Unterschied auf den Punkt:

Kriterium Positionstyp M (Material unbekannt) Positionstyp W (Warengruppe)
Wofür gedachtgleichartige Artikel, gleicher PreisArtikel einer Warengruppe, verschiedene Preise
Preissteht im Kontrakterst im Abruf
Menge im VertragZielmenge wird gepflegtkeine Menge im Vertrag
Erlaubte KontraktartMK oder WKnur WK
Materialnummer im Vertragnein (optional im Abruf)nein (erst im Abruf)
Im Abruf eingebenSpezifikation/Material, ggf. MengeArtikel, Menge und Preis

Die Entscheidung in einem Satz: M heißt „ein Preis für viele ähnliche Dinge, Material optional beim Abruf". W heißt „eine Warengruppe als Sammelposition, Preis und Artikel erst beim Abruf". Sobald die Artikel unterschiedliche Preise haben, scheidet M aus — dann brauchst du W, und damit zwingend einen Wertkontrakt.

Ein Vertrag, beide Positionstypen: ein durchgängiges Beispiel

Am schnellsten verstehst du den Unterschied, wenn beide Typen in einem Vertrag stehen. Wir legen einen Wertkontrakt (WK) an — Lieferant 100247, Einkaufsorganisation 1000, Einkäufergruppe 007, Werk 1200, Laufzeit ein Jahr, Zielwert 75.000 EUR. Ein Wertkontrakt deshalb, weil wir gleich auch eine W-Position brauchen, und die gibt es nur im WK.

Position 10 — Positionstyp M:

  • Kurztext: „Industrie-Putztücher"
  • Bestellmengeneinheit: ST
  • Nettopreis: 1,80 EUR (steht im Kontrakt)
  • Warengruppe: RG40

Aus dieser einen Position rufen wir später zweierlei ab:

  • Mit Materialstammsatz: Material WIPE-MF-300 (Mikrofaser, gepflegtes Material), 200 ST. Erlaubt, weil das Material in Warengruppe RG40 liegt und die Mengeneinheit ST passt.
  • Ohne Materialstammsatz: freier Text „Baumwoll-Putzlappen grob", 80 ST. Kein Materialstamm, nur Beschreibung.

Der Preis ist in beiden Fällen 1,80 EUR aus dem Kontrakt — einmal mit, einmal ohne Materialnummer, aus einer einzigen M-Position.

Position 20 — Positionstyp W:

  • Kurztext: „Pneumatik-Ersatzteile"
  • Warengruppe: PN55
  • Kein Preis, keine Menge im Vertrag.

Beim Abruf zu Position 20 gibst du alles selbst ein: Artikel als freien Text „Druckluft-Wartungseinheit 1/2 Zoll", Menge 12 ST und Preis 84,50 EUR. Hättest du dafür einen Infosatz gepflegt, käme der Preis als Vorschlag — so aber trägst du ihn von Hand ein.

Ergebnis: derselbe Vertrag, derselbe Lieferant, aber zwei grundverschiedene Mechaniken. Position 10 (M) liefert den Preis mit; Position 20 (W) ist eine reine Sammelposition, bei der der Abruf den ganzen Inhalt bestimmt. Kleiner Praxishinweis am Rande: M- und W-Positionen pflegst du am sichersten in der klassischen SAP-GUI-Kontrakttransaktion (ME31K / ME32K) — die schlanke Fiori-Kontrakt-App deckt die kontraktspezifischen Positionstypen nur eingeschränkt ab.

Der Kontraktabruf: wo Preis, Menge und Material zusammenkommen

Der Kontraktabruf ist die Abrufbestellung zum Rahmenvertrag. Zwei Wege führen dorthin:

  • Du startest die Funktion Kontraktabruf anlegen und stellst den Bezug zum Kontrakt her.
  • Oder du startest eine ganz normale Bestellung (ME21N) und stellst dort den Bezug zum Kontrakt her.

Jede Bestellposition, die mit Bezug zu einem Kontrakt angelegt wird, schreibt die Abrufdokumentation der zugehörigen Kontraktposition fort. Pro Abruf liefert das System unter anderem Bestellnummer und Position, Bestelldatum, Bestellmenge und Bestellwert — dazu die bereits abgerufene Menge bzw. den abgerufenen Wert und den Vergleich zur noch offenen Menge bzw. zum offenen Wert. So siehst du jederzeit, wie weit Zielmenge oder Zielwert ausgeschöpft sind. Genau das ist der Hauptnutzen von Kontrakten: Die Einhaltung der Ziele — Wert oder Menge — lässt sich einfach überwachen.

Und hier schließt sich der Kreis zur Kontraktart: Beim Wertkontrakt wird der Zielwert auf Kopfebene fortgeschrieben (Summe der Abrufe über alle Positionen), beim Mengenkontrakt die Zielmenge auf Positionsebene (Summe der Abrufe je Kontraktposition).

Abgrenzung: M und W gibt es nur im Kontrakt, nicht im Lieferplan

Ein beliebter Prüfungs-Stolperstein: Die Positionstypen M und W sind ausschließlich im Kontrakt zulässig — im Lieferplan nicht. Lieferpläne sind immer werksbezogen und kennen die Positionstypen Standard, Konsignation, Lohnbearbeitung, Strecke und Text — aber kein M und kein W.

Zwei weitere Abgrenzungen, die gern gefragt werden:

  • Kontierungstyp U (Unbekannt): Im Kontrakt zulässig — die Kontierungsdaten werden dann erst beim Abruf angegeben. Im Lieferplan ist Kontierungstyp U nicht zulässig.
  • Werk: Ein Kontrakt kann ein Werk enthalten, ein Lieferplan muss eines enthalten. Und: Du kannst einen Lieferplan mit Bezug zu einem Kontrakt anlegen — aber keinen Kontrakt mit Bezug zu einem Lieferplan.

Warum Kontrakte zu Warengruppen prüfungsrelevant sind

Beschaffung mit Rahmenverträgen ist ein Kernthema der SAP MM Zertifizierung. Fragen zu Kontraktarten, Zielwert/Zielmenge und den Positionstypen M und W tauchen regelmäßig auf — und sie sind besonders fehleranfällig, weil die Antwortoptionen mit echten, aber falschen SAP-Begriffen spielen. Hier ein Block typischer Beispielfragen:

Frage 1: Welche Kontraktarten stehen im SAP-System zur Verfügung? (2 richtige Antworten)

  • A) Mengenkontrakt
  • B) Wertkontrakt
  • C) Werkskontrakt
  • D) Lieferkontrakt

Lösung: A und B. „Werkskontrakt" und „Lieferkontrakt" gibt es nicht — klassische Distraktoren.

Frage 2: Sie verwenden einen Wertkontrakt. Wofür steht der Zielwert? (1 richtige Antwort)

  • A) Für den Wert, den ein einzelner Abruf nicht überschreiten sollte.
  • B) Für den Wert, den die Summe aller Abrufe einer einzelnen Kontraktposition nicht überschreiten sollte.
  • C) Für den Wert, den die Summe aller Abrufe über alle Positionen dieses Kontraktes nicht überschreiten sollte.

Lösung: C. Der Zielwert wird auf Kopfebene über alle Positionen fortgeschrieben.

Frage 3: Sie verwenden einen Mengenkontrakt. Wofür steht die Zielmenge? (1 richtige Antwort)

  • A) Die Menge, die die Summe aller Abrufe für eine Kontraktposition nicht überschreiten sollte.
  • B) Die Menge, die die Summe aller Abrufe über alle Positionen nicht überschreiten sollte.
  • C) Die Menge, die ein einzelner Abruf nicht überschreiten sollte.

Lösung: A. Anders als der Zielwert wird die Zielmenge je Kontraktposition fortgeschrieben.

Frage 4: Welche Aussage zum Positionstyp W (Warengruppe) ist richtig? (1 richtige Antwort)

  • A) W kann in Mengen- und Wertkontrakten verwendet werden.
  • B) W kann nur in Wertkontrakten verwendet werden.
  • C) W kann nur in Mengenkontrakten verwendet werden.

Lösung: B. Positionstyp W ist ausschließlich im Wertkontrakt zulässig.

Frage 5: Sie haben eine Kontraktposition mit Positionstyp M (Material unbekannt). Können Sie im Abruf ein Material mit Materialstammsatz beziehen? (1 richtige Antwort)

  • A) Nein, bei Positionstyp M ist im Abruf nur freier Text erlaubt.
  • B) Ja, sofern Warengruppe und Bestellmengeneinheit mit der Kontraktposition übereinstimmen.
  • C) Ja, aber nur, wenn der Preis im Abruf neu eingegeben wird.

Lösung: B. „Material unbekannt" bezieht sich nur auf den Vertrag — der Preis kommt weiterhin aus dem Kontrakt.

Frage 6: In Lieferplänen sind die Positionstypen M und W zulässig. Richtig oder falsch?

Lösung: Falsch. M und W sind nur im Kontrakt zulässig, nicht im Lieferplan.

Frage 7: Für eine Kontraktposition mit Verbrauchsmaterial möchten Sie die Kontierung erst beim Abruf festlegen. Welcher Kontierungstyp passt? (1 richtige Antwort)

  • A) Kontierungstyp K (Kostenstelle)
  • B) Kontierungstyp U (Unbekannt)
  • C) Kontierungstyp A (Anlage)

Lösung: B. Kontierungstyp U bedeutet, dass die Kontierungsdaten erst beim Kontraktabruf angegeben werden — im Kontrakt zulässig, im Lieferplan nicht.

Fazit: M und W aus der Preisfrage heraus denken

Kontrakte zu Warengruppen sind die elegante Antwort auf das Problem „viele ähnliche Artikel, ein Lieferant, ein Vertrag". Wenn du dir nur eine Entscheidungsregel merkst, dann diese: Gleicher Preis für alle Artikel → Positionstyp M (Preis steht im Kontrakt, Material optional beim Abruf, MK oder WK möglich). Unterschiedliche Preise → Positionstyp W (Preis, Menge und Artikel erst im Abruf, nur im Wertkontrakt).

Wer das mit der Zielwert-/Zielmenge-Logik (Wert = Kopf, Menge = Position) und der Lieferplan-Abgrenzung (M und W nur im Kontrakt) kombiniert, hat den prüfungsrelevanten Kern dieses Themas sicher im Griff.

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Offizielle Quelle

Die Inhalte dieses Artikels beziehen sich auf die offizielle SAP-Zertifizierung (UC_MM_S42023). Den verbindlichen, aktuellen Stand – Prüfungsaufbau, Themen und Voraussetzungen – findest du direkt bei SAP:

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